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Religionspädagogische BeiträgeAnne Frenk

Religionspädagogische Beiträge,

Anne Frenk

Tanz in religiösen Bildungsprozessen

Veröffentlichung:1.5.2019

Der Artikel untersucht Tanz als spezifische Form des leiblichen Lernens in religiösen Bildungsprozessen. Ausgehend vom performative turn in den Kulturwissenschaften wird entwickelt, wie Tanz durch seine Eigenschaften der Präsenz, Flüchtigkeit und transformativen Kraft neue Wirklichkeiten schafft und religiöse Erfahrungen ermöglicht, die über rationale Deutungen hinausgehen.

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Der Artikel verhandelt Tanz als performatives Element im Kontext einer performativen Religionspädagogik. Die Autorin geht von der Grundthese aus, dass Tanz sich in besonderer Weise dazu eignet, zur Frage und Antwort dessen zu werden, was Menschen im Innersten bewegt und die Gottesfrage zu verhandeln. Der Text ist in drei Kapitel strukturiert: Im ersten Kapitel wird der theoretische Horizont des performative turn in den Kulturwissenschaften erarbeitet. Die Autorin differenziert zentrale Begriffe (Performativität, Performanz und Performance) anhand von Austins Sprechakttheorie, Chomskys Transformationsgrammatik und dem theaterwissenschaftlichen Performancebegriff. Performativität wird als Konstituierungsprozess von Wirklichkeit verstanden, der sich durch Ereignishaftigkeit und Flüchtigkeit auszeichnet. Das zweite Kapitel behandelt die performative Religionspädagogik als Reaktion auf den Traditionsabbruch der Gegenwartsgesellschaft. Trotz unterschiedlicher Zugänge evangelischer und katholischer Religionspädagogen/-innen zielen diese Ansätze darauf ab, dass Schüler/-innen Religion auch aus einer Binnenperspektive erschließen. Das dritte Kapitel präsentiert Tanz als Form des leiblichen Lernens in religiösen Bildungsprozessen. Tanz wird als performativ gedachter Ansatz verstanden, der neue Wirklichkeiten schafft, die nicht vorhersehbar sind. Als ursprünglich kultisches Phänomen ermöglicht Tanz Präsenz, Gegenwärtigkeit und Fülle – die Alltagswelt wird transzendiert. In seiner Flüchtigkeit entzieht sich Tanz binären Logiken und ist durch einen Zwischenraum gekennzeichnet, der nicht gänzlich rational aufgeht. Die Autorin argumentiert, dass dieser Zwischenraum in religiösen Bildungsprozessen geöffnet werden sollte, um eine Wirklichkeit zu schaffen, die Erleben und Erfahren ermöglicht. Tanz ermöglicht Prozesse des Bei-sich-sein-Könnens und des Sich-einlassen-Könnens, losgelöst von Bedeutungszuschreibungen und Funktionalität. Die Arbeit schließt mit einem Ausblick auf die konkrete Tragfähigkeit und die Grenzen von Tanz in religiösen Lern- und Bildungsprozessen.

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