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Religionspädagogische BeiträgeHannah Hoechner

Religionspädagogische Beiträge,

Hannah Hoechner

Islamic education in northern Nigeria

Veröffentlichung:1.5.2019

Der Artikel untersucht die lange Geschichte und gegenwärtige Vielfalt islamischer Bildungspraktiken in Nordnigeria. Er dokumentiert die Entwicklung dieser Praktiken vom 11. Jahrhundert bis heute und analysiert ihre Veränderungen durch Kolonialherrschaft, westliche Bildung und islamische Reformbewegungen. Der Artikel widerlegt vereinfachte Sicherheitsnarrative, die Qur'anschulen mit dem Boko-Haram-Aufstand verbinden.

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Der Artikel bietet eine differenzierte Analyse islamischer Bildungspraktiken in Nordnigeria und widersetzt sich sicherheitspolitischen Rahmungen, die islamische Bildung primär durch die Linse von Sicherheit und Aufstandsbekämpfung betrachten. Die Autorin dokumentiert zunächst die lange Geschichte islamischer Bildung in der Region seit dem 11. Jahrhundert, wobei Islam über trans-saharische Handelsrouten in die Kanem-Bornu-Gemeinschaft kam. Sie zeigt, wie religiöse Gelehrte als privilegierte Klasse in präkolonialen islamischen Staaten eine wichtige Rolle spielten. Die britische Kolonialherrschaft ab 1903 und die Einführung westlicher Bildung untergruben jedoch das Monopol der 'Ulama über Alphabetisierung und verringerten ihre gesellschaftliche Stellung erheblich. Nach der Unabhängigkeit führten Ölboom und strukturelle Anpassungen zu erheblicher Fragmentierung des Bildungssektors und zur Entstehung neuer Schulformen wie der Islamiyya-Schulen seit den 1970er Jahren. Der Artikel beschreibt die wichtigsten heutigen Schulformen: klassische Qur'anschulen (makarantun allo), mobile Tsangaya-Schulen für männliche Internatsschüler (almajirai), moderne Islamiyya-Schulen und spezialisierte Tahfeez-Schulen. Diese unterschiedlichen Institutionen spiegeln religiöse, sozioökonomische und geschlechtsspezifische Unterschiede wider. Die Autorin analysiert staatliche Regulierungsbemühungen und Lehrerausbildungssysteme. Ein zentraler Aspekt ist die kritische Auseinandersetzung mit dem weit verbreiteten Narrativ, dass Qur'anschulen zum Boko-Haram-Aufstand beitrugen. Empirische Evidenz zeigt, dass die Rekruten des Aufstands unterschiedliche Bildungshintergründe hatten, darunter auch Universitätsabsolventen. Sicherheitsbedenken, Livelihood-Druck und Familienbindungen spielten eine wichtigere Rolle als ideologische Faktoren. Allerdings hat die Wahrnehmung von Almajirai als Boko-Haram-Sympathisanten zu ihrer Stigmatisierung und Gewalt durch Sicherheitskräfte geführt. Die Autorin betont abschließend, dass gegenwärtige Armut und Unsicherheit in Nordnigeria die Zukunftsaussichten islamischer Bildung stark beeinflussen werden.

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