Der Artikel behandelt die Herausforderung, Religionsunterricht in einem konfessionslos geprägten Umfeld, besonders in Ostdeutschland, didaktisch sinnvoll zu gestalten. Schwillus analysiert zunächst das Phänomen der Konfessionslosigkeit, die er nicht als Defizit, sondern als eigenständige Lebenshaltung beschreibt. Konfessionslose orientieren sich oft an einem naturwissenschaftlichen Weltbild und zeigen teilweise agnostische Spiritualität mit synkretistischen Elementen. Der Autor argumentiert, dass ein Religionsunterricht mit konfessionslosen Schüler/-innen sich auf das komplexe Feld einlassen muss und gleichzeitig nach individuellen Deutungsmustern fragt. Zentral ist die didaktische Grundhaltung der ‚teilnehmenden Beobachtung', die aus der ethnografischen Forschungsmethode adaptiert wird. Sie ermöglicht es Schüler/-innen, Religion aus der Nähe zu betrachten, ohne sich vereinnahmt zu fühlen, und erlaubt simultane Nähe und Distanz. Der Autor formuliert drei Kriterien für geeignete religionsdidaktische Ansätze: Sensibilisierung für Religion als gemeinschaftliche Praxis, Plausibilisierung vielfältiger Weltdeutungen ohne Rationalitätsdefizit, sowie Ermöglichung eines Positionswechsels zur persönlichen Praxis pietatis. Drei Ansätze werden als besonders geeignet erachtet: Theologisieren mit Kindern und Jugendlichen (mit Fokus auf Argumentation und Rationalität), mystagogische Zugänge (zur Erschließung der Tiefendimension von Religion) und performative Ansätze (zum Erleben authentischer religiöser Praxen). Diese Konzepte ermöglichen es, Religion als expressives Sinnsystem gemeinsamer Praxen erfahrbar zu machen und gleichzeitig experimentelle Annäherungen an Religion zu unterstützen.