Der Artikel behandelt die wissenschaftstheoretische Konturierung der Religionspädagogik als eigenständige theologische Disziplin. Schambeck geht von der Feststellung aus, dass die Praktische Theologie und speziell die Religionspädagogik innerhalb des theologischen Fächerkanons lange Zeit unklar positioniert waren. Als Ausgangspunkt dient Karl Rahners einflussreiche Definition von 1967, die die Praktische Theologie als Reflexion des Selbstvollzugs der Kirche in gegebener Situation bestimmt. Diese Definition wird einer kritischen Würdigung unterzogen und für die spezifische Situation der Religionspädagogik ausdifferenziert. Schambeck schlägt vor, die klassischen wissenschaftstheoretischen Grundfragen nach dem Woher (Ort der Erkenntnisgewinnung), Wie (Erkenntnisbegründung) und Wozu (Erkenntnisverwendung) neu zu formulieren. Dabei zeigt sich, dass die Religionspädagogik sich als klassische Verbundwissenschaft erweist, die theologische, pädagogische, psychologische und sozialwissenschaftliche Konzepte und Methoden verbindet. Das Woher der Erkenntnisgewinnung wird nicht nur auf den Glauben beschränkt, sondern umfasst die Subjekte und ihre Lebenswelt. Das Wie wird durch empirische, historische und hermeneutische Methoden charakterisiert, die die Religionspädagogik von anderen theologischen Disziplinen unterscheidet. Das Wozu der Erkenntnisse zielt auf die Verbesserung religiöser Lern- und Bildungsprozesse in verschiedenen Lernorten ab – nicht nur im Religionsunterricht, sondern auch in der Gemeindekatechese und Erwachsenenbildung. Im Blick auf die Unterscheidung von Religionspädagogik und Religionsdidaktik wird deutlich, dass die Religionsdidaktik sich auf die Frage des Lehrens und Lernens konzentriert, während Religionspädagogik als umfassende Theorie religiöser Lern- und Bildungsprozesse verstanden wird. Die wissenschaftstheoretische Bestimmung ermöglicht es, die Fundamentalansprüche der Pastoraltheologie zu differenzieren und das Proprium der Religionspädagogik auszuweisen. Schambeck betont abschließend, dass ein weiterer Dialog zwischen den praktisch-theologischen Disziplinen erforderlich ist, um deren gegenseitige Verhältnisse produktiv zu klären.