Der Artikel behandelt die Frage, ob konfessionell-kooperativer Religionsunterricht nach kirchlichen Vorgaben in der Sekundarstufe II möglich ist. Während diese Unterrichtsform in Grund- und Sekundarstufe I seit Jahrzehnten etabliert ist, blieb die gymnasiale Oberstufe bislang außen vor. Das Modellprojekt an Beruflichen Gymnasien in Baden-Württemberg implementiert seit 2017/2018 erstmals ein Konzept für konfessionell-kooperativen Religionsunterricht in der Oberstufe, wobei Religionslehre auch Abiturprüfungsfach sein kann. Das Projekt bietet zwei Modelle: Modell A mit gemeinsamen Lerngruppen und inhaltlichen Kooperationsfenstern, Modell B mit separaten Lerngruppen und kooperativen Phasen. Die Evaluationsstudie basiert auf Interviews mit Lehrkräften, Schulleitungen und Schülergruppen an drei Schulstandorten sowie auf schriftlichen Rückmeldebögen. Die Befunde zeigen, dass beide Modelle schulspezifisch umgesetzt werden können. Modell A überwiegt mit 16 von 23 Lehrkräften. Die Studienergebnisse belegen überwiegend positive Bewertungen: Schüler*innen nehmen den Unterricht als lebensrelevanter wahr, die Auseinandersetzung mit anderen Perspektiven wird als bereichernd empfunden. Das Projekt ermöglicht konfessionelle Beheimatung und Reflexion der eigenen Konfession in Zeiten abnehmender konfessioneller Bindung. Allerdings zeigt die Studie auch, dass die Bedeutung konfessioneller Unterschiede in der Lebenswelt der Schüler*innen gering ist. Als Herausforderungen werden genannt: erheblicher Zeitaufwand für Kooperation, Notwendigkeit von Schulleiterunterstützung und die Frage nach Angeboten für Schüler*innen, die den kooperativen Unterricht ablehnen. Die Studie empfiehlt Deputatsermäßigungen, Fortbildungen für Lehrkräfte, erweiterte gemeinsame Bildungspläne sowie eine Ausweitung auf andere Religionen.