Der Artikel befasst sich mit der Frage, wie konfessioneller Religionsunterricht unter den Bedingungen wachsender Entkonfessionalisierung zukunftsfähig gestaltet werden kann. Kropac stellt zunächst umfangreiches statistisches Material vor, das zeigt, dass sich die konfessionelle Bindung in Deutschland drastisch verringert hat: Während 1950 etwa 96% der Bevölkerung einer Konfession angehörten, waren es 2010 nur noch etwa 60%. Besonders dramatisch ist der Rückgang bei Taufen und Kirchenbesuchen. Im Analyseteil unterscheidet Kropac fünf grundlegende religionsunterrichtliche Muster: (1) die Bekräftigung des Konfessionalitätsprinzips durch die konfessionelle Trias (Lehrer, Lehre, Schüler), (2) die Aufbrechen dieses Prinzips durch konfessionelle Kooperation, (3) die Ausweitung auf andere religiöse Gemeinschaften, (4) das Fach „Lebensgestaltung – Ethik – Religionskunde" (LER) in Brandenburg als Reaktion auf Konfessionslosigkeit, und (5) die Umwandlung von Ethik vom Ersatz- zum Alternativfach. Kropac kritisiert, dass die bestehenden Modelle das Phänomen der Entkonfessionalisierung zu wenig adäquat berücksichtigen. Sein Vorschlag besteht darin, konfessionellen Religionsunterricht nicht nur als Ausnahme, sondern grundsätzlich für alle konfessionslose und konfessionsfremde Schüler/-innen zu öffnen, die ihn besuchen möchten. Dies begründet er mit drei Argumenten: erstens pragmatisch (auch getaufte junge Menschen sind oft funktional konfessionslos), zweitens durch Weiterentwicklung kirchenamtlicher Positionen, die bereits Öffnungsmöglichkeiten andeuten, und drittens durch konsequente Fortführung der kirchlichen Bildungsdiakonie. Zur theologisch-religionspädagogischen Stützung entwickelt Kropac eine Differenzierung der Begriffe „Religion" und „Konfession". Er zeigt, dass „Religion" vierfältig verstanden werden kann: als Konfession, als Kollektivsingular (alle Religionen), als Religiosität (individuelles Religiöses) und als Religionskultur (kulturelle Dimensionen). Konfession wiederum wird nicht als Kriterium der Schülerzugehörigkeit, sondern als „Perspektive" der Unterrichtsgestaltung gefasst. Dies ermöglicht es, dass konfessioneller Religionsunterricht alle vier Dimensionen von Religion bearbeitet, ohne auf Konfessionszugehörigkeit der Lernenden abzustellen. Rechtlich argumentiert Kropac, dass die Konfessionalität des Religionsunterrichts nicht von den Unterrichtsgegenständen, sondern von den besonderen Kriterien, Zielen und der Verantwortung abhängt. Abschließend illustriert er seinen Vorschlag mit dem Bild der „Zachäus-Menschen" (nach Tomas Halik): Menschen, die neugierig auf Religion schauen, ohne Kirchenzugehörigkeit zu haben, denen aber religiöse Bildung zugute kommen könnte.