Riegel entwickelt vier Thesen zur Behandlung von Männlichkeit(en) in der Religionspädagogik. These 1 besagt, dass die Genderdebatte in den Intersektionalitäts-Diskurs eingegangen ist und Geschlecht dabei als eine Variable unter anderen sozialen Kategorien (Alter, Nationalität, Religion etc.) begriffen wird. These 2 konstatiert, dass Männer und Männlichkeiten im religiösen Feld kaum noch Platz haben und Religion in zeitgenössischer Praxis stark zu femininen Geschlechterstereotypen affin ist. Empirische Studien zeigen, dass Frauen stärker religiös engagiert sind als Männer, während Religion von männlichen Jugendlichen oft als altmodisch, bieder und nicht vereinbar mit männlichem Habitus wahrgenommen wird. These 3 kritisiert, dass geschlechtergerechte Religionspädagogik vor allem von Frauen und feminisierten Männern entwickelt wurde und daher den Bedürfnissen männlicher Jugendlicher nur bedingt gerecht wird. Der Autor zeigt auf, dass solche Praxishilfen zwar wichtig sind, aber auch in Konflikt mit traditionellen Männlichkeitsstereotypen geraten. These 4 unterstreicht, dass einschlägige empirische Befunde zum religionspädagogischen Umgang mit Männlichkeit(en) fehlen. Der Autor betont, dass Geschlecht als situative soziale Größe verstanden werden muss, deren Ausprägung kontextabhängig ist. Er fordert ethnographische Studien in unterschiedlichen Lernarrangements und weist darauf hin, dass die normative Frage, welches Ziel Religionsunterricht für Jungen und männliche Jugendliche verfolgen sollte, offen bleibt.