Der Artikel behandelt Kompetenzorientierung im Religionsunterricht als notwendige didaktische Reform. Die Autoren argumentieren, dass dieser Ansatz einen Perspektivwechsel von der Unterrichtsgestaltung (Didaktik) zur Fokussierung auf Lernprozesse (Mathetik) bedeutet. In fünf zentralen Thesen wird dies entfaltet: (1) Kompetenzorientierung übt den Perspektivwechsel von Didaktik zur Mathetik ein und fördert eine Lernkultur, in der Schüler/-innen als Subjekte des Lernens ernst genommen werden. (2) Der Ansatz strebt eine zunehmende Öffnung von Unterricht an, die Schüler/-innen Lernräume und Möglichkeiten zur selbstständigen Aneignung schafft. (3) Kompetenzorientierter Religionsunterricht nimmt die kenotische Vertiefung seiner diakonischen Begründung ernst und folgt dabei einer Hermeneutik des Diskurses, die vom Perspektivwechsel der Selbstentäußerung geprägt ist. (4) Kompetenzorientierter Unterricht greift methodische Elemente verschiedener reformpädagogischer Traditionen auf. (5) Der Ansatz erfordert die Entwicklung neuer religionsdidaktischer Kompetenzen bei Lehrenden. Die Autoren diskutieren auch kritische Aspekte: Kompetenzorientierung erfordert erhebliche Investitionen in Fortbildung und ist zeitaufwendig. Zudem wird die Gefahr einer Verschiebung vom Teaching of Religion zum Teaching about Religion diskutiert, die die bekenntnisgebundene Dimension des katholischen Religionsunterrichts gefährden könnte. Dennoch betonen die Autoren, dass ein gut gemachter kompetenzorientierter Religionsunterricht ein Gewinn für Schüler/-innen und Lehrer/-innen ist, wenn die beschriebenen Anforderungen erfüllt werden.