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Henrik SimojokiTheoWeb

Henrik Simojoki,

TheoWeb

Zwischen World Polity und historischer Pfadabhängigkeit. Religiöse Bildung und Politik in internationaler Perspektive

Veröffentlichung:1.5.2026

Bildungssysteme weltweit gleichen sich an – doch folgt religiöse Bildung derselben globalen Logik wie Mathematik oder Naturwissenschaften? Ein Beitrag zur weltgesellschaftlichen Dimension der Religionspädagogik.

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Die neo-institutionalistische World Polity Theorie bietet einen analytischen Zugang, um globale Tendenzen in der Bildungsentwicklung zu verstehen – ein Forschungsprogramm, das in der deutschsprachigen Religionspädagogik bislang kaum Aufmerksamkeit gefunden hat. Der Artikel erschließt diese makrosoziologische Theorieperspektive für die Religionspädagogik und fragt, welche Erkenntnisse sich daraus für die schulische Institutionalisierung religiöser Bildung gewinnen lassen. Im Zentrum des von John W. Meyer an der Stanford-Universität initiierten Forschungsprogramms steht eine überraschende These: Bildungssysteme weltweit haben sich seit dem späten 19. Jahrhundert strukturell dramatisch angeglichen. Diese Angleichung betrifft nicht nur formale Merkmale wie Schulpflicht oder Bildungsbeteiligung, sondern auch Curriculumentwicklung, didaktische Ansätze und normative Grundprinzipien. Meyer und seine Kollegen erklären diese globale Standardisierung damit, dass sich im Zuge der Globalisierung transnationale Plausibilisierungs- und Ordnungsstrukturen ausgebildet haben, die zunehmend auf nationale Bildungssteuerung einwirken. Erfolgreiche Modelle werden kopiert, wissenschaftliche Diskurse werden länderübergreifend geführt, internationale Organisationen gewinnen an Gewicht, und pädagogische Handlungsrationalität wird verwissenschaftlicht. Der vorliegende Beitrag diskutiert diese These differenziert in religionspädagogischer Perspektive und fragt nach ihrer Anwendbarkeit auf religiöse Bildung. Dabei werden zunächst die Erkenntnisse des World Polity Ansatzes und ihre religionspädagogischen Implikationen dargelegt. Anschließend werden – unter Rückgriff auf David Martins Analysen zur historischen Pfadabhängigkeit religiösen Wandels – die Schwierigkeiten benannt, die beim Übertrag dieser Theorieperspektive auf die schulische Institutionalisierung religiöser Bildung entstehen. Die zentrale These lautet, dass religiöse Bildung einer anderen Logik folgt als säkulare Schulfächer, weil religiöser Wandel von historischen und lokalen Besonderheiten geprägt ist. Abschließend wird die Notwendigkeit hervorgehoben, dass sich die deutschsprachige Religionspädagogik stärker in internationale Diskurse einbringt – insbesondere in die aktuell entstehende Diskussion um „worldview education", die Religion, Politik und Bildung auf europäischer Ebene zusammendenkt. Der Beitrag eröffnet damit neue Perspektiven für eine global informierte Religionspädagogik, die lokale Besonderheiten ernst nimmt.

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