Die Theodor-Heuss-Schule in Offenbach, ein Berufsschulzentrum mit etwa 2000 Schülerinnen und Schülern aus rund 70 Nationen, hat mit dem Projekt „Verschiedenheit achten – Gemeinschaft stärken" ein innovatives Modell für den Religions- und Ethikunterricht entwickelt. Initiiert 2003 vor dem Hintergrund verschärfter gesellschaftlicher Debatten nach dem 11. September und der damit einhergehenden Stigmatisierung von Religionen, verfolgt das Projekt einen grundlegend anderen Ansatz: Statt Schülerinnen und Schüler nach Konfessionszugehörigkeit zu trennen, werden sie im Klassenverband unterrichtet – ohne dabei Unterschiede zu verwischen. Vielmehr macht das Modell die Differenzen explizit zum Thema und sieht in ihnen eine Ressource für qualifizierten Dialog. Das zentrale didaktische Konzept basiert auf drei Grundentscheidungen: der Gleichwertigkeit religiöser und religionsungebundener Weltanschauungen, dem Lernen in direkter Begegnung durch speziell zusammengesetzte Lehrkräfteteams und der Spannung zwischen Individualität und Gemeinschaft. Der Unterricht arbeitet mit drei Dimensionen von Vielfalt: zwischen verschiedenen Religionen und Weltanschauungen, innerhalb einzelner Religionen sowie innerhalb einzelner Personen, die religiöse und weltanschauliche Pluralität vereinigen. Die beiden elementaren didaktischen Prinzipien sind Differenz und Dialog – nicht das Verbindende steht im Vordergrund, sondern gerade die Unterschiede werden thematisiert und bearbeitet, wodurch neue Formen von Gemeinschaft entstehen. Das Projekt wird als kontinuierlich sich entwickelnd verstanden und dokumentiert praktische Module, die diese Grundprinzipien umsetzt.