Eine alte biblische Frage wird zum Strukturprinzip religiöser Bildung: „Wenn dich dein Kind morgen fragt – was sind das für Gebote und Rechte?" Diese Predigt zu 5. Mose 6,20-25 zeigt, dass die Antwort nicht in abstrakten Regeln liegt, sondern in einer Geschichte. Der Prediger entfaltet, wie die Erzählung von Israels Befreiung aus der Sklaverei – ob faktisch oder narrativ – zum Fundament ethischen Handelns wird. Statt Imperative zu definieren, antwortet die biblische Überlieferung mit einem Indikativ: Gott hat gehandelt, er hat befreit, er schenkt Freiheit und Würde. Diese narrative Struktur offenbart eine tiefe Einsicht: Religion und Politik sind untrennbar verbunden, ohne sich darin zu erschöpfen. Gebote wie „Du sollst nicht töten" oder „Du sollst deinen Nächsten lieben wie dich selbst" gewinnen ihre Kraft aus dieser Rettungsgeschichte. Der Text plädiert dafür, dass Religionsunterricht – für alle Konfessionen und Religionen – diese Dimensionen ernst nehmen muss. Themen wie Flüchtlingsschutz oder Klimagerechtigkeit werden so zu natürlichen Gegenständen religiöser Bildung. Religionslehrerinnen und -lehrer sowie Eltern tragen die Verantwortung, Heranwachsenden nicht nur Regeln zu vermitteln, sondern sie in die Geschichte Gottes mit der Welt einzuzeichnen und ihnen damit Gründe für ein Leben in Freiheit und Solidarität zu geben.