Hermeneutische Forschung bildet ein elementares, aber methodisch oft unterbelichtetes Fundament der wissenschaftlichen Religionsdidaktik. Der vorliegende Beitrag schließt diese Forschungslücke, indem er grundlegende Aspekte hermeneutischen Arbeitens in der Religionspädagogik systematisch darstellt und dabei besonders auf die Konzeptentwicklung fokussiert.
Die Hermeneutik – etymologisch verankert in der Vermittlung göttlicher Botschaften durch den Gott Hermes – hat sich seit Schleiermacher zur „Kunstlehre des Verstehens" entwickelt. Philosophische Grundierungen durch Gadamer, Habermas und andere prägen bis heute das religionsdidaktische Selbstverständnis: Verstehen wird nicht als subjektive Handlung, sondern als Einrücken in historische Überlieferungsprozesse begriffen, wobei ideologiekritische Reflexion Machtungleichgewichte aufdecken hilft.
Lange Zeit verstand sich die Religionsdidaktik primär als hermeneutische Wissenschaft. Seit der „empirischen Wende" Ende der 1960er Jahre hat sich das Methodenspektrum erheblich erweitert – ohne dass die Hermeneutik an Bedeutung verloren hätte. Vielmehr integrieren aktuelle Systematisierungen hermeneutische Zugänge in komplexere methodische Arrangements aus historischen, empirischen, systematischen und komparativen Verfahren.
Die Religionsdidaktik funktioniert als „Verbundwissenschaft", die mittels multiperspektivischer Hermeneutik theologische, bildungswissenschaftliche, geistes- und kulturwissenschaftliche Erkenntnisse aufeinander bezieht. Dieses korrelative Verfahren ermöglicht es, religiöse Lern- und Bildungsprozesse so zu gestalten, dass Subjekte religiöse Wirklichkeitsdeutungen eigenständig rekonstruieren und auf persönliche Bedeutungen hin überprüfen können. Der Beitrag dokumentiert, dass hermeneutische Konzeptentwicklung ein etabliertes, zukunftsträchtiges religionspädagogisches Forschungsformat darstellt.