Schulgottesdienste sind in vielen deutschen Bundesländern, besonders in Bayern, eine etablierte Tradition des religiösen Schullebens. Doch angesichts wachsender religiöser und weltanschaulicher Vielfalt stellt sich die Frage, ob diese Angebote zeitgemäß bleiben oder weiterentwickelt werden sollten – eine Frage, die nicht zuletzt durch öffentliche Debatten wie jene in der Zeitschrift Die ZEIT an Aktualität gewonnen hat. Der vorliegende Artikel präsentiert Ergebnisse einer qualitativen Interviewstudie, in der die Perspektiven von Schulleiterinnen und Schulleitern auf Schulgottesdienste und alternative religiöse Feierformen erhoben wurden. Die Studie wurde in der Metropolregion Nürnberg mit 15 Rektor*innen von Grund-, Mittel- und Förderschulen durchgeführt. Ein zentrales Ergebnis zeichnet sich bereits ab: Schulleiter*innen verbinden religiöse Angebote des Schullebens vorrangig mit dem Ziel der Förderung von Schulgemeinschaft. Dies birgt jedoch ein grundlegendes Spannungsverhältnis: Während religiöse Angebote große Integrationskraft entfalten können, schließen sie zugleich regelmäßig einzelne Schüler*innen und Familien aus – insbesondere in Kontexten religiöser Heterogenität. Der Artikel verankert die empirischen Befunde in einer umfassenden theoretischen Rahmung, die rechtliche Grundlagen (Religionsfreiheit nach Grundgesetz), theologische Perspektiven (Schulgottesdienste als Zielgruppengottesdienste) und pädagogische Dimensionen (Schulseelsorge, Bildungsmöglichkeiten) berücksichtigt. Diskutiert werden dabei auch alternative Formate wie multireligiöse Feiern, liturgische Gastfreundschaft und interreligiöse Angebote. Die qualitative Inhaltsanalyse der transkribierten Interviews ermöglichte es, sowohl die gelebte Praxis religiösen Schullebens als auch die rollenspezifischen und persönlichen Einstellungen der Schulleiter*innen zu diesen Angeboten zu rekonstruieren. Der Beitrag trägt damit zu einer differenzierten Verständigung über die Gestaltung von religiösem Schulleben in pluralen Gesellschaften bei.