Der Kreuzestod Christi gehört zu den theologischen Kernthemen des Christentums – doch seine soteriologische Bedeutung bleibt für Schülerinnen und Schüler oft abstrakt und lebensfremd. Wie lässt sich das paulinische Verständnis von Erlösung, Sünde und der Beziehung zwischen Gott und Mensch so vermitteln, dass es für junge Menschen kognitiv greifbar wird? Dieser Beitrag erprobt einen innovativen Ansatz: die Arbeit mit „graphic narratives" – also Comics und Graphic Novels – im Religionsunterricht. Das Zusammenspiel von Wort und Bild spricht zwei rezeptive Kanäle gleichzeitig an und entspricht zudem der populärkulturellen Lebenswelt Jugendlicher. Im Zentrum steht die Kreuzestheologie des Paulus, insbesondere die Herr-Sklave-Metaphorik aus dem Römerbrief (Röm 6), die eine personifizierte Sünde als unterdrückende Macht beschreibt, von der Christus durch seinen stellvertretenden Tod erlöst. Die dargestellte Unterrichtseinheit wurde 2018 in einem Gymnasialkurs durchgeführt und nutzt sowohl bestehende graphic narratives zur Vermittlung als auch die eigenständige Gestaltung durch Schülerinnen und Schüler. Dadurch entstehen narrative Strukturen, die theologische Inhalte mental und konzeptuell vernetzen und langfristig verfestigen. Der Beitrag erschließt zunächst die theoretischen Grundlagen von graphic narratives als künstlerisches Medium, erörtert ihre Bedeutung für religiöse Bildung und präsentiert dann die durchgeführte Unterrichtssequenz mit ihrer empirischen Evaluation. Die zentrale Hypothese lautet: Durch die narrative Form der graphic narrative erhalten Schülerinnen und Schüler mit wenig christlichem Vorwissen einen Zugang zu dogmatischen Grundannahmen des Christentums wie Tod, Erlösung und Sünde – und entwickeln so ihre theologische Kompetenz in soteriologisch-christologischen Fragen weiter.