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TheoWebLeni Franken

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Leni Franken

Religious Education and non-affiliation in Belgium and in Germany: Roman-Catholic and Protestant Evangelical Perspectives

Veröffentlichung:1.5.2026

Weniger Getaufte, mehr Religionslose: Wie reagieren katholische und evangelische Schulen, wenn ihre Schüler*innen nicht mehr an ihren Glauben gebunden sind? Ein internationaler Vergleich zeigt unterschiedliche Strategien gegen die Säkularisierung.

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In säkularisierten Gesellschaften steht der Religionsunterricht vor neuen Herausforderungen: Während die Konfessionslosigkeit zunimmt, sitzen in konfessionellen Schulen zunehmend nicht-religiös gebundene Schüler*innen im Klassenzimmer. Dieser Artikel vergleicht, wie zwei große christliche Kirchen in unterschiedlichen nationalen Kontexten auf diese Entwicklung reagieren. Im Fokus stehen die Empfehlungen der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD) sowie die neuen Lehrpläne für den katholischen Religionsunterricht in der flämischen Gemeinschaft Belgiens. Die Ausgangssituation ist dabei bemerkenswert ähnlich: In Deutschland gehören etwa 36 Prozent der Bevölkerung keiner Religionsgemeinschaft an – ein Anteil, der im Osten deutlich höher liegt. In Belgien hat sich die Situation seit den 1960er Jahren dramatisch gewandelt: von einer überwiegend katholischen Nation zu einer Gesellschaft, in der nur noch knapp 50 Prozent sich als katholisch identifizieren, während ein Drittel sich zu keiner Religion bekennt. Trotz dieser Säkularisierungstrends spielen konfessionelle Schulen weiterhin eine zentrale Rolle: In Flandern besuchen 60 Prozent der Grundschüler*innen und 74 Prozent der Sekundarschüler*innen katholische Schulen; in Deutschland prägen evangelische Schulen das Angebot, wenn auch mit kleinerer Reichweite. Das zentrale Paradoxon besteht darin, dass immer mehr nicht-getaufte oder nicht-religiös gebundene Schüler*innen an Religionsunterricht teilnehmen, der ursprünglich für Angehörige einer bestimmten Glaubensgemeinschaft konzipiert wurde. In belgischen katholischen Schulen identifizieren sich weniger als 50 Prozent der Schüler*innen selbst als katholisch, während in Deutschland ein erheblicher Anteil der Schüler*innen im evangelischen Religionsunterricht keiner Kirche angehört. Diese empirische Realität zwingt beide Kirchen zu grundsätzlichen Überlegungen: Wie können sie ihre religiöse Identität bewahren, ohne ausgrenzend zu wirken? Welche Bedeutung hat Religionsunterricht in einer pluralen, säkularen Gesellschaft? Der Artikel analysiert systematisch, wie die katholische Kirche in Belgien und die EKD in Deutschland diese Fragen beantworten und welche Konsequenzen sich daraus für die pädagogische Praxis ergeben.

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