Polen gehört zu den europäischen Ländern mit hohem Religiositätsniveau – doch auch hier vollzieht sich ein tiefgreifender Wandel. Der Artikel analysiert das Phänomen der Konfessionslosigkeit im Kontext der religiösen Transformation der polnischen Gesellschaft und erörtert daraus resultierende pädagogische Konsequenzen. Die römisch-katholische Kirche dominiert die religiöse Landschaft erheblich, nicht nur durch ihre Mitgliederzahl, sondern auch durch ihre geschichtliche, kulturelle und politische Bedeutung. Heute sind in Polen fast 190 Kirchen und religiöse Gemeinschaften tätig – ein Zeichen zunehmender Pluralisierung. Parallel dazu zeigen sich Säkularisierungsprozesse: Der Anteil derjenigen, die sich als konfessionslos bezeichnen, wächst, wenngleich statistisch schwer zu erfassen. Der Begriff „Konfessionslosigkeit" erweist sich als mehrdeutig und kontextabhängig. Er reicht vom Kirchenaustritt über die Ablehnung kirchlicher Lehren bis zur völligen Laizität. International entstehen neue Phänomene wie „non-denominational Churches", die traditionelle institutionelle Grenzen überschreiten und individuelle Spiritualität betonen. Die Erfassung der Konfessionslosigkeit in Polen ist methodisch problematisch: Während beispielsweise die EKD-Denkschrift klare Kriterien der Nicht-Mitgliedschaft definiert, fehlt in Polen ein scharfer Differenzierungsmaßstab. Die Statistiken der katholischen Kirche basieren auf eigenen Quellen (Tauf- und Firmungsbücher), nicht auf objektiven staatlichen Daten. Eine Kirchensteuer wie in Deutschland existiert nicht – was zusätzliche Abgrenzungsschwierigkeiten schafft. Die Volkszählung 2011 enthielt erstmals eine fakultative Frage zur religiösen Identität, doch 8,7 Prozent beantworteten diese nicht. Als konfessionslos galten 2,4 Prozent der Bevölkerung. Der Artikel unterstreicht die Notwendigkeit einer genauen statistischen Erfassung und diskutiert, wie Religionspädagogik auf diese veränderte Landschaft reagieren muss – insbesondere in Bezug auf plurale Erziehungskontexte.