Seit Ende der 1980er Jahre dokumentiert die ökumenisch angelegte Reihe „Religionspädagogik als Autobiographie" die Lebensgeschichten von Religionspädagog*innen, Theolog*innen und Pädagog*innen. Mittlerweile liegen sieben Bände mit über 120 Autobiographien vor – ein einzigartiges Archiv der Disziplingeschichte, das weit über bloße Zeitdokumentation hinausgeht. Der vorliegende Aufsatz erschließt dieses Projekt systematisch und zeigt, wie Autobiographien als Konstrukte gleichzeitig wissenschaftliche Tiefenschärfe und didaktischen Mehrwert bieten. Die Bände sind an historische Zäsuren gekoppelt – von der NS-Machtergreifung 1933 über Kriegsende und Wiederaufbau bis zum Mauerbau 1961 –, wodurch autobiographisches und geschichtliches Lernen unlösbar verbunden werden. Zentral ist die Einsicht, dass Lehre ohne Erzählung, ohne Rückbindung an erlebte Geschichte, theologisch unhaltbar ist. Die dargestellten didaktisch-methodischen Vorschläge zeigen konkret, wie Lehrende und Lernende durch die Auseinandersetzung mit fremden Bildungsbiographien zu eigener kritischer Selbstreflexion und begründeter Positionierung gelangen können. Dabei werden die radikale Subjektivität und Personalität der Autor*innen geschützt und gewürdigt – nicht als psychologische Kuriositäten, sondern als theologisch qualifizierte Deutungsmuster, die Transformationen von Glauben und beruflicher Praxis in ihrer historischen Situiertheit nachvollziehbar machen. Das Projekt dokumentiert damit nicht nur Wissenschaftsgeschichte, sondern eröffnet Räume für biographisches Lernen in Ausbildung und Studium von Theolog*innen und Gemeindepädagog*innen.