Hymnen und Lieder prägen seit jeher das religiöse Leben in Schulen. Der vorliegende Artikel untersucht, welche Hymnen und geistlichen Lieder in finnischen Schulgottesdiensten zum Ende des Schuljahres gesungen werden – und wie sich die Liedkultur durch die COVID-19-Pandemie verändert hat. Die Evangelisch-Lutherische Kirche Finnlands, der etwa 69 Prozent der finnischen Bevölkerung angehört, arbeitet eng mit lokalen Schulen zusammen. Während Schulgottesdienste 2010 noch traditionell in Kirchen stattfanden, wurden sie 2020 aufgrund von Pandemiebeschränkungen ins Internet verlegt. Eine systematische Textanalyse der meistgesungenen Hymnen offenbart ein interessantes Phänomen: Zwar nahm die Vielfalt der verwendeten Lieder 2020 zu, doch die Verwendung traditioneller Hymnen und ihrer Schlüsselbegriffe wie Lobpreis, Schutz und Freude blieb bemerkenswert stabil. Besondere Aufmerksamkeit verdient die „Sommerhymne" – das meistgesungene Lied –, das sich zu einem institutionalisierten Übergangssignal zwischen Schuljahr und Sommerferien entwickelt hat. Gleichzeitig trägt sie tiefe spirituelle Bedeutungen von Schöpfung, Dank und Hoffnung in sich, die in schwierigen Zeiten neue Relevanz gewinnen. Der Artikel zeigt, wie Hymnen in ihrer Doppelfunktion als liturgische Tradition und als Träger von Hoffnungsbotschaften fungieren – gerade dann, wenn sich die äußeren Bedingungen des Gottesdienstes grundlegend wandeln.