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Angela KauppTheoWebKarlo Meyer

Angela Kaupp,

TheoWeb,

Karlo Meyer

„Wenn sich die Mitte auflöst…“ – Große und kleine Narrative in Gesellschaft und Religionspädagogik. Eine Einführung

Veröffentlichung:1.5.2026

Welche Erzählungen prägen unser Verständnis von Gesellschaft und Religionspädagogik? Eine Tagungsdokumentation geht den „großen Narrativen" nach – von der Suche nach der „Mitte" über Schüler:innen-Lebenswelten bis zur Selbstkritik der Wissenschaft selbst. Eine Einladung zur Reflexion eigener Erzählmechanismen.

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Narrative prägen unsere Wahrnehmung von Gesellschaft und Religionspädagogik fundamental. Sie schaffen Orientierung in komplexen, heterogenen Feldern, indem sie charakteristische Brennpunkte setzen und einen roten Faden durch unwegsames Gelände legen. Doch diese „großen Erzählungen" – von Lyotards „méta récits" bis zu aktuellen soziologischen Deutungsmustern – müssen immer wieder beobachtet, erklärt, gedeutet und kritisch überprüft werden. Die vorliegende Themenausgabe von theo-web geht dieser Frage systematisch nach: Wie funktionieren Narrative in unserer Disziplin? Welche Narrative prägen gesellschaftliche und religionspädagogische Diskurse? Und welche „blinden Flecken" entstehen dabei? Ausgangspunkt ist das soziologische Narrativ vom „Verlust der Mitte" der Gesellschaft. Die Dokumentation einer ökumenischen Tagung (September 2021, AKRK und GwR) folgt dabei einer schlüssigen Architektur: Sie beginnt mit allgemeinen soziologischen Fragen zur Gesellschaft und Verortung von Religion, wendet sich dann den Schüler:innen und ihrer Lebenswelt zu, nimmt sodann die religionspädagogische Forschung selbst in den Blick und präsentiert aktuelle Projekte. Der abschließende Blick auf Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft der Disziplin eröffnet mögliche künftige Perspektiven. Die Beiträge arbeiten heraus, dass das Narrativ „Verlust der Mitte" sowohl gesellschaftlich als auch im Hinblick auf Schüler:innen problematisch sein kann. Empirische Befunde deuten darauf hin, dass Lernende das Fach Religion durchaus als „gemittet" wahrnehmen. Gleichzeitig wird die Religionspädagogik selbst aufgefordert, ihre eigenen Erzählmechanismen zu erkennen und kritisch zu reflektieren – etwa bei zentralen Themen wie interreligiöses Lernen oder Subjektorientierung. Besondere Aufmerksamkeit gilt dabei marginalisierten Perspektiven: Gender und Intersektionalität, Migration und Zugehörigkeit, die Präsenz von Religion in digitalen Medien und sozialen Netzwerken. Die Themenausgabe versteht Religionspädagogik als eine Disziplin, die sich selbst als ideologischer Stachel verstehen muss – kritisch gegenüber gesellschaftlichen und eigenen Narrativen gleichermaßen.

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