RU-digitalRU-digital-logo
1 Bild
Silvia ArztTheoWeb

Silvia Arzt,

TheoWeb

Gender in der Religionspädagogik: Feministische Theologien – Geschlechterforschung – Intersektionalität

Veröffentlichung:1.5.2026

Von Frauenermächtigung bis zur Vielfalt: Wie drei aufeinanderfolgende Ansätze die Religionspädagogik neu denken – und warum sie alle gleichzeitig relevant bleiben.

Products

Wie hat sich die religionspädagogische Auseinandersetzung mit Geschlecht und Geschlechtergerechtigkeit in den letzten Jahrzehnten entwickelt? Der Beitrag zeichnet drei aufeinander aufbauende, aber gleichzeitig nebeneinander existierende Zugänge nach: die Feministischen Theologien, die Geschlechterforschung und den Intersektionalitätsansatz. Die Feministischen Theologien entstanden ab den 1970er Jahren im deutschsprachigen Raum, inspiriert durch US-amerikanische Theologinnen und die säkulare Frauenbewegung. Sie legten den Fokus auf die Wiederentdeckung von Frauen in Bibel und Kirchengeschichte, kritisierten das exklusiv männliche Gottesbild und entwickelten eine geschlechtergerechte Gotteslehre. Mit feministischer Hermeneutik wurde die Exegese neu gestaltet, Frauenliturgien entstanden, und die „Bibel in gerechter Sprache" wurde realisiert. Ziel war und ist die Gleichstellung von Frauen und Männern in Religionen, Kirchen und Gesellschaft. Handreichungen und Materialsammlungen brachten diese Erkenntnisse in Schulen und Jugendarbeit. Ein Blickwechsel vollzog sich dann vor allem in den 1990er Jahren: Die Geschlechterforschung richtete den Fokus nicht mehr ausschließlich auf Frauen, sondern untersuchte die Konstruktion von Weiblichkeit und Männlichkeit gleichermaßen. Das Konzept des „doing gender" verdeutlicht, dass Geschlecht nicht nur angeboren, sondern alltäglich gelernt und hergestellt wird – individuell, interaktional und institutionell. Dieser Ansatz berücksichtigt auch Hierarchisierungen innerhalb der Geschlechter, etwa Robert Connells Modell verschiedener Männlichkeiten mit der hegemonialen Männlichkeit als dominanter Form. Die geschlechtssensible religiöse Bildung wurde damit angestoßen. Der Intersektionalitätsansatz schließlich, entwickelt durch schwarze US-amerikanische Feministinnen, kritisiert die Annahme, dass „der" Feminismus für alle Frauen sprechen kann. Er analysiert, wie verschiedene Kategorien – race, class, gender und weitere wie Alter, Behinderung, Religion – sich überkreuzen und in ihrem Zusammenspiel Ungleichheiten hervorbringen. Für die Religionspädagogik führt dies zur Entwicklung einer Inklusiven Religionspädagogik der Vielfalt, die von der Prämisse ausgeht, dass ALLE Schülerinnen und Schüler verschieden sind. Das Ziel ist nicht Integration einzelner „anderer" Kinder, sondern ein gleichberechtigtes Leben und Lernen in einer Schule, in der alle Anerkennung erfahren und ihren guten Platz haben – unabhängig von Gender, sozialem Status, Dis/Ability, Lebensform oder religiöser Herkunft.

Wir nutzen Cookies auf unserer Website. Einige von ihnen sind essenziell, während andere uns helfen, diese Website und Ihre Erfahrung zu verbessern Datenschutz.