Der Paradigmenwechsel in der theologischen Ethik – von der Frage des gerechten Krieges hin zur Frage des gerechten Friedens – stellt die Religionspädagogik vor fundamentale Herausforderungen. Dieser Beitrag arbeitet heraus, dass dieser Perspektivwechsel bislang in religionspädagogischen Entwürfen noch nicht ausreichend aufgegriffen wurde, obwohl er weitreichende Konsequenzen für ethische Bildung und Friedenspädagogik mit sich bringt. Die Autorin zeigt, dass die Friedensfrage eine Grundaufgabe religiöser Bildung darstellt – besonders angesichts aktueller globaler Spannungen mit religiöser Dimension und weil Religion eine unverzichtbare Grundlage moralischer Erziehung ist. Allerdings werden drei problematische Tendenzen im gegenwärtigen religionspädagogischen Diskurs sichtbar: Entpolitisierung der Friedensfrage, ihre Verengung auf zwischenmenschliche und soziale Ebenen sowie ihre Transformation in andere Fragestellungen. Dies führt dazu, dass die politische Dimension von Frieden – die Kopplung an gerechte Verhältnisse in Gesellschaft, Politik, Ökonomie und Kultur – zu kurz kommt. Der Beitrag plädiert deshalb für eine Neujustierung der Friedensfrage in der Religionspädagogik. Dies erfordert nicht nur eine mehrdimensionale Darstellung des friedensethischen Paradigmenwechsels, sondern auch die Entwicklung von Leitlinien für eine religionspädagogisch orientierte Friedenspädagogik und ihrer Didaktik. Zentrale offene Fragen lauten: Wie kann eine eigenständige Didaktik für Friedenspädagogik im Religionsunterricht gestaltet werden? Wie lässt sich das christliche Friedensethos für säkular aufwachsende Kinder und Jugendliche verständlich vermitteln? Und wie können religiöse Bildungsprozesse zu begründeter Urteilsfähigkeit und vertieftem Verständnis von Frieden beitragen?