Der Hinduismus wird in der religionspädagogischen Forschung und in schulischen Lernmaterialien bislang deutlich weniger beachtet als die abrahamitischen Religionen – ein Desiderat, das die vorliegende Studie adressiert. Dabei kann die schulische Auseinandersetzung mit dieser weltweit verbreiteten Religion aus zwei zentralen Perspektiven begründet werden: Sie unterstützt Schülerinnen und Schüler erstens gesellschaftlich dabei, in einer religiös pluralen Welt zu leben und diese mitzugestalten. Zweitens ermöglicht sie ihnen subjektbezogen, ihre eigene Religiosität zu reflektieren, indem sie mit dem dharmischen Modell eine genuine Alternative zu abrahamitischen Glaubensvorstellungen kennenlernen.
Vor diesem Hintergrund wird ein vergleichendes Forschungsprojekt skizziert, das deutsch- und englischsprachige Schulbücher systematisch analysiert. Die zentrale These lautet, dass die schulische Thematisierung des Hinduismus konstitutive interreligiöse Lernprozesse auslösen kann – sofern die Darstellung in Schulbüchern verantwortungsvoll gestaltet ist. Das Projekt verspricht sich davon Erkenntnisse über die Themenauswahl, die religionsdidaktischen Konzeptionen und die Darstellungsweisen des Hinduismus im schulischen Kontext. Besonders reizvoll ist der internationale Vergleich: Während Deutschland einen konfessionellen Religionsunterricht praktiziert, folgt England einem multireligiösen, phänomenologischen Ansatz. Diese unterschiedlichen didaktischen Kulturen prägen vermutlich auch die Schulbuchdarstellungen des Hinduismus unterschiedlich. Die Analyse zielt auf drei Dimensionen: Welche religiösen und kulturellen Aspekte werden ausgewählt? Wird die innere Pluralität des Hinduismus erkennbar? In welcher Relation wird die Religion zu anderen Religionen – insbesondere zum Buddhismus und Christentum – dargestellt? Welche religionsdidaktischen Konzeptionen lassen sich identifizieren?