Die Frage, wie digitale Medien im Religionsunterricht zu einer besseren Schülerorientierung beitragen können, gewinnt an Dringlichkeit angesichts steigender Abmeldequoten von Jugendlichen, die ihre Autonomie betonen und sich vom traditionellen Religionsunterricht nicht wahrgenommen fühlen. Diese Studie untersucht, ob und wie die Adaption digitaler Medien mit den Wertorientierungen von angehenden Religionslehrerinnen und -lehrern zusammenhängt. Die Forschung verbindet dafür etablierte Modelle – das „will, skill, tool model" von Petko sowie das „mobile learning"-Konzept von Kearney und Kolleginnen und Kollegen – mit einem in der Religionspädagogik verankerten Lebensstilmodell basierend auf Wertorientierungen. Die zentrale Hypothese lautet: Hängt der Einsatz digitaler Medien im Religionsunterricht mit progressiven, autonomieorientierten Werten zusammen? Die Befunde deuten darauf hin, dass genau diese Beziehung existiert. Dies ist religionspädagogisch bedeutsam, weil digitale Medien neue, lebensweltlich relevante Themen wie „Sexting", „Künstliche Intelligenz" oder „digitale Trauerkultur" in den Unterricht bringen und gleichzeitig selbstbestimmtes, zeit- und ortsunabhängiges Lernen ermöglichen – beides Aspekte, die dem Autonomiestreben Jugendlicher entgegenkommen. Die Studie eröffnet damit aufschlussreiche Perspektiven auf die Professionalisierung von Religionslehrkräften und zeigt, wie digitale Medien nicht wertneutral, sondern durch ihren Einsatzkontext wertvoll für eine progressiven Wertorientierungen entsprechende Unterrichtspraxis werden können.