RU-digitalRU-digital-logo
1 Bild
TheoWebStein MargitVeronika Zimmer

TheoWeb,

Stein Margit,

Veronika Zimmer

Identitätskonstruktionen junger Christ*innen und Muslim*innen in Deutschland

Veröffentlichung:1.5.2026

Definieren sich junge Muslime stärker über ihre Religion? Eine große Studie zeigt: ja, aber nicht nur wegen der Religion – Religiosität und nationale Herkunft spielen eigenständige Rollen. Und: Interreligiöse Freundschaften verändern die Selbstverortung.

Products

Wie konstruieren junge Menschen ihre Identität in einer religiös und kulturell pluralen Gesellschaft? Eine quantitative Studie mit 1090 jungen Erwachsenen (18–25 Jahre) untersucht systematisch, welche Rolle Religion dabei spielt – ein Forschungsbereich, der bislang vernachlässigt wurde. Die Erhebung erfasste Christinnen und Christen (68%), Muslime und Musliminnen (13%) sowie Konfessionslose (15%) hinsichtlich ihrer Selbstverortung in religiöser, regionaler und nationaler Dimension sowie ihrer Freundschaften über Religionsgrenzen hinweg. Die Ergebnisse bestätigen eine weit verbreitete gesellschaftliche Annahme mit wichtigen Differenzierungen: Junge Muslime und Musliminnen definieren sich tatsächlich stärker über ihre Religionszugehörigkeit als Personen anderer religiöser Orientierung – allerdings wird dieser Effekt entscheidend durch die selbsteingeschätzte Religiosität moderiert. Insgesamt sind junge Musliminnen und Muslime religiöser als junge Christinnen und Christen, was den Unterschied teilweise erklärt. Besonders interessant: Junge Muslime und Musliminnen fühlen sich weniger stark mit Deutschland und Europa verbunden und identifizieren sich überdurchschnittlich häufig mit anderen Ländern – ein Muster, das sich nicht vollständig durch Migrationshintergrund erklären lässt. Selbst beim Vergleich von jungen Menschen mit Migrationserfahrung zeigt sich, dass Religionszugehörigkeit und Religiosität eigenständige Effekte auf die nationale Selbstverortung haben. Ein weiterer Fokus liegt auf dem sozialisatorischen Einfluss von interreligiösen Freundschaften: Freundschaften zu Personen anderer Religionsgemeinschaften wirken sich signifikant, wenn auch schwach aus, auf die Identitätskonstruktion. Der Beitrag verortet sich theoretisch in etablierten Konzepten hybrider und dualer Identitäten und trägt damit zu einem differenzierteren Verständnis bei, wie Religion – neben Migration und Globalisierung – Identitätsprozesse von jungen Menschen prägt.

Wir nutzen Cookies auf unserer Website. Einige von ihnen sind essenziell, während andere uns helfen, diese Website und Ihre Erfahrung zu verbessern Datenschutz.