Ambiguität und der Umgang damit gewinnen in der Religionspädagogik zunehmend an Bedeutung – insbesondere beim interreligiösen Lernen und in konfessionell-kooperativen Arrangements. Doch während Ambiguitätstoleranz als Kompetenz für den Umgang mit religiöser Vielfalt gefordert wird, bleiben die Ambiguitäten innerhalb von Religionen selbst oft unterbelichtet. Dabei bieten biblische Texte, Gotteskonzepte und theologische Figuren reichhaltiges ambiges Potenzial. Der Beitrag untersucht, wie drei aktuelle Schulbücher Ambiguität darstellen und welche Umgangsweisen mit ihr vermittelt werden. Theoretisch fundiert auf Positionen von Thomas Bauer, John D. Caputo und Bernhard Dressler, die Ambiguität als Religion-konstituiv verstehen, werden die Schulbücher danach analysiert, ob sie Eindeutigung, Synthetisierung, Akzeptanz oder Indifferenz gegenüber Ambiguität zeigen. Die Erkundung legt offen, welche Tendenzen in der schulischen Vermittlung dominieren und wo Unterschiede zwischen der Darstellung von Ambiguität in Referenzreligionen versus in interreligiösen Kontexten entstehen. Der Beitrag eröffnet damit Perspektiven auf eine Didaktik der Ambiguität, die religiöses Lernen nicht auf eindeutige Einsichten zielt, sondern auf den produktiven Umgang mit Mehrdeutigkeit als Voraussetzung zeitgemäßer Bildung.