Theaterpädagogik gilt als junges Feld – dabei reichen ihre pädagogischen Wurzeln bis in die Antike zurück. Der vorliegende Artikel erkundet eine bislang kaum beachtete Form religionspädagogischer Praxis: theaterpädagogische Projekte, die sich im gesellschaftlichen Raum selbst organisieren und artikulieren – jenseits von Familie, Gemeinde und Schule. Der Autor untersucht ein Kooperationsprojekt des Theaters Osnabrück mit christlichen, islamischen und jüdischen Gemeinden, das sich an einer Aufführung von Lessings „Nathan der Weise" anschloss. Dabei zeigt sich ein faszinierendes Spannungsfeld: Während modernes Theater Religion oft stereotypisierend als irrational oder überholt darstellt, arbeitet die Theaterpädagogik mit konkreten Menschen, die ihre religiösen Hintergründe aktiv einbringen. Der Artikel analysiert den pädagogischen Ertrag dieses Projekts durch zwei komplementäre Perspektiven – die Kompetenzorientierung und die Theologische Kulturhermeneutik – und zeigt dabei sowohl bedeutsame Übereinstimmungen als auch bemerkenswerte Differenzen zur christlichen Religionsdidaktik auf. Die Studie basiert auf empirischen Methoden und trägt damit zu einer dringend notwendigen wissenschaftlichen Aufarbeitung dieser „anderen" Religionspädagogik bei, die zwischen künstlerischer Arbeit und religiöser Bildung fruchtbar vermittelt.