Gefühle sind allgegenwärtig, manchmal überwältigend, aber auch unverzichtbar für ein bewusstes Leben. Der vorliegende Artikel sucht nach einer theologischen und bildungstheoretischen Ordnung dieser Gefühlswelt, die über die gängigen psychologischen Deutungen hinausgeht. Der Autor versteht Gefühle fundamental als „Selbstempfindung im Betroffensein durch ein Anderes" – eine Formel, die sowohl ihre Unmittelbarkeit als auch unsere reflexive Fähigkeit zu ihnen bewahrt. Dies führt zu einer zentralen Einsicht: Gefühl und Bewusstsein sind nicht antagonistisch, sondern strukturell analog verfasst. Beide zeichnen sich dadurch aus, dass sie sich angesichts eines Anderen konstituieren – beim Gefühl ein empirisches Anderes, beim Bewusstsein ein inneres, virtuelles Gegenüber. Diese Strukturanalogie erklärt, warum wir Gefühle nicht nur erleben, sondern auch verstehen können. Der Text verweist zudem auf eine tiefere Dimension: Die Gefühle könnten selbst als antwortende Reaktionen auf ein grundlegendes Anderes verstanden werden – eine Hypothese, die zum theologischen Kern führt, nämlich zur Bezogenheit der leibseelischen menschlichen Existenz auf Gott. Damit eröffnet sich für die Religionspädagogik ein fruchtbares Spannungsfeld: Wie können Lehrende im Religionsunterricht Schülerinnen und Schülern helfen, ihre Gefühle nicht einfach zu erleiden, sondern sich in ihnen selbst zu verstehen und dabei ihre Verwiesenheit auf das Transzendente zu erkennen? Der Artikel legt damit den Grund für eine Gefühlsbildung, die weder moralisierend noch therapeutisierend verfährt, sondern existenziell-theologisch ansetzt.