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TheoWebKatharina Muth

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Katharina Muth

„Nehmen Sie Stellung zu…“ Kriterien zur Förderung und Bewertung begründeter Positionierungen im Religionsunterricht in der Sekundarstufe II

Veröffentlichung:1.5.2026

Wie bewertet man eine gute Positionierung? Eine Studie von 42 Abituraufgaben zeigt: Im Religionsunterricht zählen christliche Kriterien besonders – und das wirft Fragen auf, wie fair und transparent solche Bewertungen sein können.

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Was macht eine gute Schülerpositionierung aus? Diese Frage stellt sich nicht nur im Unterrichtsalltag, sondern auch bei der Bewertung von Abituraufgaben. Der Artikel geht dieser Frage auf Basis einer qualitativen Studie nach, die 42 Abituraufgabenstellungen im Fach Evangelische Religionslehre sowie ihre Erwartungshorizonte aus Bayern, Niedersachsen und Thüringen (2014–2019) untersucht hat. Die Forschung nutzt eine inhaltlich strukturierende qualitative Inhaltsanalyse, um zu erkunden, welche Qualitätskriterien für die Bewertung von Positionierungen in Prüfungssituationen angelegt werden und wie sich diese in der Praxis tatsächlich darstellen. Ein zentraler Befund: Die Fachspezifika des Religionsunterrichts spielen eine wesentliche Rolle. Durch die verfassungsrechtlich verankerte Bekenntnisorientierung des Faches werden in Positionierungsaufgaben explizit christliche Reflexionskriterien verlangt – etwa der Einbezug biblischer Ethik oder evangelischer Einsichten zu Gott und Mensch. Dies unterscheidet Religionsunterricht deutlich von anderen Fächern wie Geografie oder Politik, wo andere fachspezifische Kriterien wie Nachhaltigkeit oder Legitimität im Fokus stehen. Der Artikel zeigt anhand von vier konkreten Aufgabenbeispielen – zu Religionskritik, Präimplantationsdiagnostik, Demut und Pazifismus – die Bandbreite von Themen, bei denen Schülerinnen und Schüler materialgestützt begründete Positionen vertreten müssen. Darüber hinaus diskutiert der Artikel die Frage, ob verbindliche Qualitätsmerkmale für Positionierungen notwendig sind oder möglicherweise hinderlich wirken. Dabei werden die Befunde aus dem Religionsunterricht in den übergreifenden fachdidaktischen Diskurs über Positionierungen eingeordnet, um sowohl allgemeine pädagogische Herausforderungen als auch fachspezifische Besonderheiten bei der Bewertung von Schülerpositionierungen zu beleuchten. Die Studie liefert damit empirisches Material für eine grundsätzliche Debatte über Bewertungspraxis und Qualitätskriterien in einem zentralen Bereich modernen Religionsunterrichts.

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8.5.2026

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