RU-digitalRU-digital-logo
1 Bild
TheoWebAndreas Kubik

TheoWeb,

Andreas Kubik

Zu einigen ‚blinden Flecken‘ interreligiösen Lernens. Hermeneutische Beobachtungen zur Paderborn-Osnabrücker Studie von 2021

Veröffentlichung:1.5.2026

Wie sollten angehende Religionslehrkräfte das Judentum behandeln? Der Aufsatz zeigt: Nicht nur die Ziele des interreligiösen Lernens sind umstritten – auch ihre Umsetzung wird von theologischen Grundfragen geprägt, die Lehrende und Fachkulturen bislang unausgesprochen lassen.

Products

Der Aufsatz analysiert Daten eines Forschungsprojekts zur christlichen Religionslehrer*innenbildung und fragt, wie Lehrende interreligiöses Lernen theoretisch fundieren und in der Praxis umsetzen. Eine Queranalyse aller Interviews und Lehrvideos aus Paderborn und Osnabrück offenbart dabei eine grundlegende Problematik: Die Zielformulierungen für interreligiöses Lernen folgen häufig allein christlichen Konzeptionen und sind noch nicht ausreichend mit den Partner*innen anderer Religionen abgestimmt. Dies betrifft sowohl die inhaltlichen Ziele – etwa die Vermittlung von Grundwissen oder existenzielle Auseinandersetzung – als auch deren Interpretation und die Frage der methodischen Verfahren. Besondere Aufmerksamkeit verdient das Judentum, das im Material dominiert, allerdings aus theologisch umstrittenen Gründen: Während manche es primär als historische Wurzel des Christentums verstehen, warnen andere vor einer Überbetonung der Nähe und kritisieren Methoden, die jüdische Bräuche nachspielen und damit das Trennende zwischen den Religionen nivellieren. Der Beitrag entfaltet drei grundsätzliche Positionen zum Verhältnis von Christentum und Judentum – von der Schleiermachers Perspektive der grundsätzlichen Gleichbehandlung über eine Position konstitutiver Bedeutung des Judentums bis hin zu einem trialogischen Lernen, das Islam, Christentum und Judentum gleichberechtigt zusammendenkt. Diese theologischen Unklarheiten schlagen sich unmittelbar in der Lehrpraxis nieder und erschweren es, Ziele für interreligiöses Lernen kohärent zu formulieren. Der Autor verdeutlicht: Im interreligiösen Dialog müssen nicht nur die Ziele vereinbart, sondern deren Interpretation und die konkreten Verfahren erst ausgehandelt werden – ein Prozess, der bislang in der Theorie des interreligiösen Lernens zu wenig reflektiert ist.

Wir nutzen Cookies auf unserer Website. Einige von ihnen sind essenziell, während andere uns helfen, diese Website und Ihre Erfahrung zu verbessern Datenschutz.