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Carsten GennerichTheoWeb

Carsten Gennerich,

TheoWeb

Glauben in der Lebensstilperspektive: Erkenntnisse aus der Analyse des Zusammenhangs von Emotionen und Gottesbildern

Veröffentlichung:1.5.2026

Warum glauben Kinder an den einen, Jugendliche an einen ganz anderen Gott? Eine Studie mit über 1200 Befragten zeigt: Gottesbilder sind weniger Lehrgegenstand als vielmehr Ausdruck der eigenen emotionalen Lebenswelt. Das hat Konsequenzen für den Unterricht.

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Wie prägen emotionale Erfahrungen die Gottesbilder von Kindern und Jugendlichen? Diese Frage steht im Zentrum einer neuen empirischen Studie, die kumulative Fragebogendaten von über 1200 Schülerinnen und Schülern im Alter von 6 bis 25 Jahren analysiert. Die Forschung folgt einer expressiven Perspektive auf religiöse Bilder und Symbole: Gottesbilder werden nicht als theologische Konzepte verstanden, die rational gelernt werden, sondern als Ausdrucksmittel, mit denen junge Menschen ihre persönlichen Lebenserfahrungen artikulieren. Der theoretische Zugang verbindet zwei etablierte Forschungsstränge. Zum einen die religionspädagogische Forschung zu Emotionen und Gottesbildern, die bislang nur begrenzt systematisch untersucht wurde. Zum anderen das Lebensstilkonzept nach Gennerich, das Wertepräferenzen als Indikatoren für die individuelle Schülersituation nutzt. Werte wie „Offenheit für Wandel" versus „Bewahrung" oder „Selbst-Transzendenz" versus „Selbst-Steigerung" korrelieren nachweislich mit emotionalen Erfahrungen: Unsicherheitserfahrungen gehen mit Bewahrungswerten einher, Zuwendung von Bezugspersonen mit altruistischen Werten, starke Belastungen mit egozentrischem Denken. Die Ergebnisse zeigen ein konsistentes Muster: Die Gefühle, die Schülerinnen und Schüler gegenüber Gott entwickeln – Dankbarkeit, Angst, Ehrfurcht, Ärger – spiegeln ihre lebensweltlichen Erfahrungen wider und korrelieren mit ihren Wertepräferenzen. Negative Gefühle wie Angst oder Ärger drücken emotionale Distanz zu Gott aus, während positive Gefühle wie Dankbarkeit die persönliche Gottesbeziehung repräsentieren. Diese Erkenntnisse führen zu einer kritischen Schlussfolgerung für den Religionsunterricht: Ein einseitig argumentativ ausgerichteter Unterricht zu Glaubensfragen und Gottesbildern wird der emotionalen Realität der Lernenden nicht gerecht. Stattdessen sollte der Unterricht die kontextuellen Erfahrungen der Schülerinnen und Schüler als Ausgangspunkt nehmen und verstehen, dass religiöse Deutungen immer in die lebensweltliche Situation eingebettet sind.

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