Die Beziehung zwischen Ethik und Religion im Unterricht ist eine zentrale Frage religiöser Bildung – doch wie wird sie in Lehrplänen konkret gestaltet? Dieser Artikel untersucht die schwedischen Lehrpläne für Religionsunterricht seit den 1960er Jahren und zeigt eine bemerkenswerte Entwicklung: Während Ethik anfangs fast ausschließlich mit christlichem Glauben verknüpft war, hat sie sich zu einem eigenständigen Wissensbereich entwickelt, der von Religion zunehmend separiert wird. Die Analyse offenbart dabei ein Spannungsfeld: Ethisches Lernen erfordert aktives Argumentieren und Positionierung durch die Schüler, während Religionsinhalte primär dazu dienen, mit den eigenen ethischen Perspektiven verglichen zu werden. Empirische Forschungen zeigen allerdings, dass Ethikunterricht innerhalb des Religionsunterrichts oft marginalisiert wird und als konzeptionell unklar wahrgenommen wird – häufig reduziert auf argumentative Kompetenzen, statt multidimensional verstanden zu werden. Der Artikel argumentiert auf Basis von Ethiktheorie und soziokultureller Lerntheorie dafür, dass ethische Kompetenz von erworbenen und kontextuell geprivilegierten moralischen Diskursen abhängt. Gerade Narrative – sowohl säkulare als auch religiöse – erweisen sich dabei als unverzichtbar für einen ganzheitlichen Zugang zu ethischen Fragen. Die Studie trägt somit zu einem differenzierteren Verständnis bei, wie Ethik und Religion im schulischen Kontext sinnvoll miteinander verwoben werden können.