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TheoWebEva-Maria Kenngott

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Eva-Maria Kenngott

Ethik im Ethik- und Religions(kunde-)unterricht – Übersetzungs- und Transformationsleistungen für den Umgang mit ethischer und religiöser Pluralität

Veröffentlichung:1.5.2026

Wie argumentieren wir ethisch – und unterscheiden sich religiöse Begründungen von säkularen? Ein Artikel über die verborgenen Strukturen moralischer Debatten, das Beispiel Schwangerschaftsabbruch und die Frage, wie Schüler*innen lernen, in einer religiös und weltanschaulich pluralen Gesellschaft zu denken.

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Ethische Problemstellungen durchziehen den Unterricht in Ethik, Religionsunterricht und Religionskunde gleichermaßen – doch wie werden sie dort jeweils bearbeitet? Der Artikel geht dieser grundlegenden Frage nach und argumentiert, dass die unterschiedlichen Fachlogiken zu eigenständigen Herangehensweisen an ethisches Argumentieren führen. Am Beispiel des Schwangerschaftsabbruchs wird systematisch analysiert, wie ethische Argumentation funktioniert und wobei religiös begründete Positionen spezifische Merkmale aufweisen. Der Text beginnt mit den Grundlagen ethischen Argumentierens und arbeitet heraus, dass moralische Probleme durch ein Zusammenspiel von deskriptiven Prämissen (Tatbestand), normativen Prämissen (Maßstäbe) und Begründungen strukturiert sind. Das Toulmin-Schema dient dabei als analytisches Werkzeug, um die „verborgenen" Komponenten von Argumentationen sichtbar zu machen. Im alltäglichen Disput erscheint eine moralische Stellungnahme einfach – doch komplexe Problemfälle wie der Schwangerschaftsabbruch zeigen die Tiefenschichten: Liberale Positionen prioritäisieren die Autonomie der Frau, konservative Positionen das Tötungsverbot und den Personenstatus des Embryos. Jede Norm rahmt das Problem anders und betont oder vernachlässigt bestimmte Aspekte. Besonders wertvoll ist die Erkenntnis, dass Schüler*innen durch Analyse dieser Argumentationsstrukturen verstehen lernen, wo Positionen tatsächlich auseinandergehen, wo Ausnahmefälle verhandelt werden und wo Widersprüche entstehen. Der Artikel deutet darauf hin, dass religiöse Argumentationen zwar mit verschiedenen Positionen verknüpft sein können, aber eine eigenständige Begründungsressource darstellen – wie das katholische Hirtenwort zeigt, das das Tötungsverbot „als Grundlage eines humanen Zusammenlebens" fundiert. Zentral ist schließlich die Frage der pluralistischen Gesellschaft: Schüler*innen müssen lernen, religiöse und säkulare Argumente zu übersetzen und ineinander verständlich zu machen – eine Fähigkeit, die Habermas als Voraussetzung für demokratisches Zusammenleben in modernen Gesellschaften beschreibt. Der Artikel adressiert damit eine zentrale Herausforderung religionspädagogischer Praxis.

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