Wie können Ethik-Unterricht und Religionsunterricht fruchtbar zusammenarbeiten? Der Beitrag erkundet das Konzept der Lebenskunstbildung als vielversprechende Brücke zwischen beiden Fächern und ihren theoretischen Grundlagen. Ausgehend von einem umfassenden Bildungsverständnis – verstanden als Entfaltung und Qualifizierung menschlicher Freiheit – wird argumentiert, dass ethische Bildung nicht nur auf Moralität oder Urteilsfähigkeit abzielt, sondern ganzheitlich als güter-, pflicht- und tugendethische Bildung zur bewussten Lebensführung beitragen soll. Der Autor zeichnet dabei nach, wie in theologischen und philosophischen Diskursen der letzten Jahre zentrale Leitbegriffe entstanden sind – von „Lebensführung" über „Weisheit" bis hin zu „Empowerment" –, die beide Fächer verbinden. Besonders das Konzept der Lebenskunst aus der Praktischen Philosophie (vertreten etwa durch Hans Krämer und Wilhelm Schmid) erweist sich als strukturell verwandt mit anthropologischen Grundperspektiven der christlichen Theologie. Der Text dokumentiert zudem, wie dieser Diskurs bereits in aktuellen Lehrplänen verschiedener Bundesländer und in neueren Lehrbüchern seinen Niederschlag findet. Die Analyse zeigt, dass ein Dialog zwischen biblischer Weisheit und philosophischer Lebenskunst nicht nur möglich, sondern pädagogisch geboten ist – um Schülerinnen und Schülern zu helfen, ihr Leben bewusst, verantwortungsvoll und in Freiheit zu gestalten.