Diese Morgenandacht, gefeiert während einer religionspädagogischen Tagung, verbindet liturgisches Handeln mit bildungstheoretischen Überlegungen. Der Text dokumentiert nicht nur den Ablauf einer Feier in der Moritzkirche – mit Liedern, Psalm, Evangelium und musikalischen Improvisation – sondern entfaltet zugleich eine wichtige These: Dass Gottesdienste und schulische Feiern in der Religionspädagogik einen eigenständigen Beitrag zur ethischen Bildung leisten, der über rationale Reflexion hinausgeht. Ausgehend von Psalm 112 und der Jesus-Geschichte vom barmherzigen Samariter (Lukas 10) wird die provokative Frage gestellt, ob die ethischen Inhalte des Religionsunterrichts tatsächlich auch auf den Gottesdienst verwiesen bleiben – und verwiesen bleiben müssen. Der Impuls argumentiert, dass biblische Texte nicht durch ihre intellektuelle Auslegung wirken, sondern durch ihre Eingebundenheit in eine Feierkultur von Lied, Gebet und Stille ihre eigentliche Kraft entfalten. Sie schaffen „Resonanzräume", die Menschen anders ansprechen als Diskussionen und theoretische Inputs. So wird der Schulgottesdienst als Ort sichtbar, an dem ethische Bildung nicht predigt- oder unterrichtszentrisch verhandelt wird, sondern sich in der Spannung zwischen Lob und Klage, Bitte und Dank ereignet. Dies entspricht einer religionspädagogischen Grundeinsicht: dass der Glaube sich nicht erschöpft in Wissen, sondern in der leibhaftigen, gemeinschaftlichen Feier.