Der Artikel entfaltet einen theologischen Entwurf, der Raum und Räumlichkeit ins Zentrum schöpfungstheologischen Denkens rückt. Ausgehend von einer philosophisch-theologischen Verständigung zwischen Emmanuel Levinas und Paul Ricœur entwickelt der Autor eine „Theologie des Verlassens", die Gott als schöpferisch-utopische Raumgabe begreift, der ausschließlich ethisch zu begegnen ist. Dabei wird deutlich: Theologische Rede darf sich nicht in ideologisch-dogmatischen Totalitäten verfangen, sondern muss sich vom radikal Anderen unterbrechen lassen und eine ethisch-theologische Perspektive einnehmen. Die absolute Alterität Gottes in seiner radikalen Transzendenz wird als utopischer Raum anerkannt, der eine „nahe Ferne" oder ethische Nähe ausdrückt – eine unausweichliche Verantwortung gegenüber dem qualitativ Anderen. Dieser theoretische Rahmen eröffnet dann Perspektiven für gegenwärtige religionspädagogische Herausforderungen: Im Kontext des Global Christianity und angesichts kultureller Vielfalt muss religiöse Bildung sich global orientieren, ohne lokale Kontexte zu verlieren. Der Artikel verbindet dabei schöpfungstheologische Grundlagen mit einer glokalen Religionspädagogik, die interkulturelles Lernen nicht nur kulturhermeneutisch, sondern theologisch begründet. Die Aufgabe besteht darin, Wahrnehmung (aisthesis) differenziert zu verstehen und religiöse Verständigung im Bewusstsein kultureller Alteritäten und globaler Transformationsprozesse neu zu denken – nicht als Verlust europäischer Traditionen, sondern als befreiende Öffnung des theologischen Denk-, Sprech- und Handlungsraums.