Die flächendeckende Einführung des Islamischen Religionsunterrichts in Deutschland stellt neue Anforderungen an die Ausbildung von Lehrkräften – doch lange Zeit fehlte es an systematischen wissenschaftlichen Untersuchungen ihrer religiösen Orientierungen und Überzeugungen. Der vorliegende Beitrag schließt diese Forschungslücke durch eine qualitative Studie mit 34 vertiefenden Interviews mit (angehenden) muslimischen Religionslehrkräften. Die Auswertung erfolgte nach der qualitativen Inhaltsanalyse nach Mayring und nutzte als deduktive Kategorien die Glockschen Dimensionen der Religiosität in ihrer Erweiterung nach Boos-Nünning. Aus dem Interviewmaterial wurden drei Typen religiöser Selbstverortung herauskristallisiert, die sich auch auf Marcias Konzept des religiösen Identitätsstatus beziehen lassen. Die Studie wird damit zur ersten systematischen Analyse der religiösen Selbstverortungen angehender islamischer Religionslehrkräfte in Deutschland. Während die österreichische Forschung von Khorchide teilweise problematische Haltungen (etwa Abgrenzungstendenzen gegenüber anderen Religionen) dokumentierte, eröffnet die deutsche Studie neue empirische Perspektiven auf die heterogenen religiösen Orientierungen derjenigen Fachkräfte, die den Islamischen Religionsunterricht gestalten werden. Der Beitrag leistet damit wichtige Grundlagenarbeit für die religionspädagogische Forschung und bietet Anknüpfungspunkte für künftige quantitative Erhebungen.