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TheoWebMonika Jakobs

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Monika Jakobs

Religion und Gesundheit aus religionspsychologischer Perspektive - und was dies für die Religionspädagogik bedeutet

Veröffentlichung:1.5.2026

Religion macht gesund oder krank – je nachdem. Ein Artikel über die ambivalente Wirkung von Glaube auf Wohlbefinden und wie Religionspädagogik damit konstruktiv umgehen kann.

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Der Zusammenhang zwischen religiösem Glauben und Gesundheit ist komplex und widersprüchlich. Während religiöse Überzeugungen und Praktiken für manche Menschen Ressourcen zur Lebensbewältigung darstellen, können sie anderen psychische und physische Belastungen verursachen. Der vorliegende Artikel beleuchtet diese Ambivalenz aus religionspsychologischer und religionspädagogischer Perspektive und fragt, welche Konsequenzen sich daraus für religiöse Bildungs- und Sozialisationsprozesse ergeben. Historisch hat sich insbesondere die Psychoanalyse kritisch mit Religion auseinandergesetzt: Freud sah in ihr ein Hindernis für menschliche Autonomie, andere Schulen diagnostizierten „ekklesiogene Neurosen" – psychische Störungen, die durch restriktive religiöse Erziehung verursacht werden. Doch auch Theologen haben sich dieser Kritik angeschlossen und auf schädliche Gottesbilder hingewiesen, die besonders in der Kindheitssozialisation ihre Wirkung entfalten. Eine differenzierte Analyse zeigt jedoch: Die Auswirkungen religiöser Überzeugungen lassen sich nicht isoliert betrachten, sondern müssen im Kontext des psychosozialen Umfeldes – insbesondere der familiären Beziehungsqualität – verstanden werden. Ein und dasselbe religiöse Element kann je nach Zusammenhang gesundheitsförderlich oder belastend wirken. Der moderne, integrative Gesundheitsbegriff überwindet die starre Dichotomie von Gesundheit und Krankheit und fokussiert stattdessen auf die Ressourcen der Lebensbewältigung. Darin liegt eine neue Möglichkeit, die Rolle von Religion neu zu denken. Aus religionspädagogischer Sicht ist es entscheidend, diese Ambivalenz des Religiösen nicht zu verschweigen, sondern sie produktiv in Bildungsprozesse einzubinden. Die Fähigkeit, religiöse Symbolik und Hermeneutik offen zu halten und dabei Ambivalenzen auszuhalten, kann sogar als Qualitätsmerkmal von Religion gelten. Dies dient sowohl der Förderung individueller Glaubensentwicklung als auch einer kritischen Bewusstheit gegenüber den eigenen religiösen Überzeugungen.

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