Der Begriff des intergenerationellen Lernens ist jüngeren Datums, doch die Sache selbst ist so alt wie das Christentum. Der Artikel untersucht, wie religiöses Wissen und Glaube zwischen Generationen weitergegeben werden – implizit durch alltägliches Miterleben in Familien oder explizit durch bewusst gestaltete Lernarrangements. Dabei zeigt sich ein faszinierendes historisches Muster: Von den Anfängen des Christentums bis zur Reformation war intergenerationelles Lernen von einer klaren hierarchischen Struktur geprägt, in der die ältere Generation der jüngeren Wahrheiten vermittelte. Das Alte Testament setzt dabei einen positiven Blick auf Heranwachsende voraus – Kinder gelten als vorbildlich, ihre religiöse Erziehung als Teil des göttlichen Segens. In der frühen Kirche vollzog sich religiöse Bildung vor allem durch Partizipation im christlichen Miteinander des Haushalts. Erst als sich die Kirche gegen heidnische Bildungsinhalte abgrenzen musste, gewann das explizite Lehrmoment an Bedeutung – allerdings zunächst nur für Erwachsene im Katechumenat. Klosterschulen und später die Reformation intensivierten bewusste Lernprozesse, doch ohne die hierarchische Grundstruktur zu hinterfragen. Luthers Kleiner Katechismus beispielsweise richtete sich an Hausväter als Vermittler einer vorgegebenen Wahrheit. Der Artikel arbeitet heraus, dass explizite intergenerationelle Lernarrangements großes religionspädagogisches Potenzial bieten, zugleich aber auch deutliche Grenzen aufweisen. Der Fokus liegt auf genealogischen und pädagogischen Generationenkonzepten im Kontext christlicher religiöser Bildung.