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TheoWebAndrea Dietzsch

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Andrea Dietzsch

Lehre(n) für Gerechtigkeit - Wie politisch darf/muss Religionsunterricht sein?

Veröffentlichung:1.5.2026

Während Studien belegen, dass soziale Herkunft in Deutschland den Schulerfolg stark determiniert, stellt sich die Frage: Kann Religionsunterricht aktiv zur Überwindung von Bildungsungerechtigkeit beitragen? Ein Artikel über die politische Verantwortung des Religionsunterrichts.

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Der Artikel setzt sich mit einer grundlegenden Frage auseinander: Wie kann Religionsunterricht zur Überwindung von Bildungsungerechtigkeit beitragen? Angesichts der Befunde nationaler und internationaler Schulleistungsstudien – etwa der IGLU-Studie 2016 oder der OECD-Bildungsindikatoren 2018 – ist klar: Der Zusammenhang zwischen sozialer Herkunft und Bildungserfolg in Deutschland ist nach wie vor gravierend, und die sozial bedingten Disparitäten sind in den letzten 15 Jahren sogar signifikant gewachsen. Die zentrale These lautet: Religionsunterricht darf sich dieser Herausforderung nicht entziehen, sondern muss sich bewusst auf der inhaltlichen, strukturellen und konzeptionellen Ebene zu Fragen der Bildungsgerechtigkeit positionieren. Dies geschieht nicht primär durch das Warten auf politische Strukturreformen, sondern durch die Verwirklichung von Bildungsgerechtigkeit im religionsunterrichtlichen Geschehen selbst. Der Autor begründet dies theologisch mit dem Gedanken der Gottebenbildlichkeit, wonach jedem Menschen gleiche Würde und damit auch gleiche Rechte auf Bildung zustehen – unabhängig vom sozioökonomischen Status, der familiären Sozialisation oder religiösen Überzeugung. Das Konzept der „Teilhabegerechtigkeit PLUS" bildet den theoretischen Rahmen. Es verbindet Befähigungsgerechtigkeit (capability approach nach Amartya Sen und Martha Nussbaum), Verteilungsgerechtigkeit (Rawls, Dworkin) und Anerkennungstheorie (Axel Honneth) zu einer umfassenden Konzeption von Bildungsgerechtigkeit. Diese betont nicht nur materielle Verteilung und individuelle Befähigung, sondern auch die psychosoziale Dimension der Anerkennung. Damit verankert der Artikel die Bildungsgerechtigkeit fest in der politischen Dimension des Religionsunterrichts – ein Verständnis, ohne das Religionsunterricht in der Gegenwart nicht adäquat konzeptualisiert werden kann.

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