Der Anschlag auf die Tree of Life Synagoge in Pittsburgh am 27. Oktober 2018, bei dem Robert Bowers elf Menschen tötete, offenbart ein verstörendes Phänomen: Antisemitische Verschwörungstheorien und religiöse Hasssymbole zirkulieren grenzenlos zwischen ideologisch verfeindeten Gruppen. Der Artikel verfolgt Bowers' Online-Präsenz und dokumentiert, wie er sowohl christlich-weiße-suprematistische als auch islamistische Propaganda nutzte – beide speisen sich aus denselben antisemitischen Symbolen wie der Blutritual-Verleumdung und der Dämonisierung von Juden als „Kinder des Satans". Besonders bemerkenswert ist, dass Bowers einen Islamisten-Post über vermeintliche jüdische Ritualmorde von ISIS weiterleitete, der ursprünglich aus einer pakistanischen PowerPoint-Präsentation stammte. Der Autor zeigt, wie Sheikh Khaled al-Mughrabi in der al-Aqsa-Moschee Jerusalem mit identischen antisemitischen Narrativen predigt. Diese interreligiöse Durchlässigkeit antisemitischer Stereotype – zwischen Christen und Muslimen, die sich sonst ablehnen – stellt die zentrale Frage: Wie können diese religiös verankerten Hasssymbole, die in den kulturellen und religiösen Erinnerungen des Westens und der islamischen Welt tief verwurzelt sind, neutralisiert werden? Erst die Dekonstruktion dieser religionsgeschichtlichen Symbole in beiden Traditionen kann wirksame Prävention gegen Antisemitismus ermöglichen.