Antisemitische Vorurteile sind bereits in der Grundschule verbreitet – und der Religionsunterricht kann eine Schlüsselrolle bei ihrer Bekämpfung spielen. Der Beitrag untersucht systematisch, wie Lehrpläne und Schulbücher des christlichen Religionsunterrichts das Judentum und das christlich-jüdische Verhältnis darstellen. Zentral ist dabei die Frage, wie Jesus und die Pharisäer dargestellt werden: Denn ein vereinfachtes, kontrastierendes Bild – in dem Pharisäer als lebensfeindliche Vertreter einer Werkgerechtigkeit fungieren, während Jesus die Befreiung bringt – tradiert bis heute ein Vorurteil, das historisch zur antisemitischen Delegitimierung des Judentums beigetragen hat.
Der Autor vergleicht aktuelle Lehrpläne und Schulbücher aus Deutschland und Österreich mit wegweisenden Studien aus den 1980er und 1990er Jahren. Diese frühere Forschung hatte bereits aufgedeckt, dass Unterrichtsmaterialien das Alte Testament ausschließlich christlich vereinnahmen, die Tora missverständlich als starres „Gesetz" darstellen und implizit den Vorwurf erheben, das Judentum sei „verworfen" worden. Seit 1995 gab es allerdings keine umfassende aktuelle Analyse mehr – umso wichtiger ist die vorliegende Untersuchung.
Methodisch arbeitet der Beitrag mit qualitativer Inhaltsanalyse nach Mayring und nutzt das bewährte Kategoriensystem von Peter Fiedler. Entscheidend ist jedoch eine Neuentwicklung: Für den Primarbereich erwies sich das klassische Instrumentarium als zu grob. Der Autor stellt daher ein speziell auf Grundschulmaterialien zugeschnittenes Analyseinstrumentarium vor, das nach dem didaktischen Prinzip der Elementarisierung entwickelt wurde – also danach fragt, wie komplexe Inhalte altersgerecht vereinfacht werden können, ohne dabei Vorurteile zu verfestigen. Dies ist nicht nur eine analytische Innovation, sondern auch eine Antwort auf die entwicklungspsychologische Realität: Kinder zwischen fünf und sieben Jahren neigen besonders stark zu Vorurteilen, die sich ohne gezielte Intervention bis zum Ende der Grundschulzeit verfestigen.