Die beschriebene Kunstinstallation nutzt minimale, alltägliche Objekte, um tiefe theologische Fragen aufzuwerfen. Ein quadratischer Leuchtkasten mit Wolkenhimmel als Grund trägt einen einfachen Stuhl, eine Kanne mit Schüssel und ein Tuch – alle in reflektierendem Chrom – und wird von signalroten Stahlstäben in Würfelform (150x150x150 cm) eingefasst. Die entscheidende Leerstelle ist der leere Stuhl. Im kirchlichen Kontext aktiviert diese Anordnung sofort das biblische Motiv der Fußwaschung, eines der zentralen Symbole für Demut und Dienst. Diese Ikonographie ist historisch eng mit weiblichen Ordensgemeinschaften verbunden, besonders mit Tecla Merlo, der Gründerin der Paulusschwestern, der die Installation gewidmet ist. Doch durch die bewusste Leere des Stuhls wird die traditionelle Szenerie destabilisiert. Die Installation stellt damit provokative Fragen: Wer sitzt auf diesem Stuhl? Wer kniet davor und wäscht Füße? Die leere Position offenbart die unsichtbare Arbeit von Frauen im kirchlichen Dienst und hinterfragt gleichzeitig die festgeschriebenen Rollen von Diener und Dienerin. Sie macht deutlich, dass die traditionelle „Rollenvorgabe" für Frauen – sich selbst zu vergessen und bedingungslos zu dienen – nicht natürlich oder unvermeidlich ist, sondern eine Konstruktion, die sichtbar gemacht und befragt werden kann.