Marcella Althaus-Reid präsentiert in ihrem Werk „Anstößige Theologie" einen dekonstruktiven Angriff auf traditionelle theologische Systematiken durch eine bewusst provozierende und sexualisierte Sprache. Sie kritisiert die patriarchale Struktur theologischer Gottesbilder, die Grenzen feministischer Theologie und die Befreiungstheologie Lateinamerikas, indem sie theologische Konzepte durch sexuelle Metaphorik neu rahmt. Diese sprachliche Strategie dient nicht der bloßen Provokation, sondern öffnet einen kritischen Diskurs über christliche Sexualethik und ermöglicht eine radikale Dekonstruktion etablierter theologischer Positionen. Der Text zeichnet sich durch Witz, Assoziativität und eine verankernde Nähe zu konkreten sozialen Realitäten aus – Althaus-Reid führt ihre Lesenden gleichsam durch Buenos Aires und bezieht ihre Theologie aus den alltäglichen Glaubensvorstellungen armer und marginalisierten Menschen.
Das zentrale Konzept ist die „populare Theologie": Im Gegensatz zur akademischen Theologie der Theologen folgt diese der gelebten religiösen Praxis einfacher Menschen, die christliche Figuren und Dogmen flexibel an ihre Lebensrealitäten anpassen. Damit stellt Althaus-Reid die akademische Theologie unter den Primat der Volksfrömmigkeit – eine befreiende Idee, die über klassische Befreiungstheologie hinausgeht. Allerdings verliert der Text erheblich durch seine deutsche Übersetzung: Nominalisierungen, unstimmige Syntax und die Nichtbeibehaltung feststehender queerer Begriffe (wie Coming out, kinky, Drag, Tops, Bottoms) schmälern nicht nur das Leseerlebnis, sondern entziehen dem Text seine politische Ermächtigungskraft.