Der Artikel reflektiert die Herausforderungen bei der Vorbereitung theologischer Seminare vor dem Hintergrund dessen, was Michel de Certeau als „Elend der Theologie" bezeichnet hat. Der Autor diagnostiziert eine tiefe Erosion des Dogmatischen in der Kirche, die sich besonders in der mangelnden Aufarbeitung von Machtmissbrauch und in der systematischen Ausgrenzung kritischer, feministischer und rassismuskritischer Theologinnen zeigt. Während solche Perspektiven seit Jahren wichtige Beiträge leisten, werden sie vom kirchenleitenden Mainstream weder rezipiert noch anerkannt – ein Phänomen, das sich exemplarisch in der Verweigerung kirchlicher Approbation für Theologinnen wie Regina Ammicht-Quinn zeigt.
Der zentrale didaktische Ansatz besteht darin, kirchliche Ausgrenzungsmechanismen durch Biografien sichtbar zu machen. Anhand von Hildegard von Bingen, Teresa von Avila und Mary Ward werden Fälle „epistemischer Ungerechtigkeit" analysiert: Hildegard konnte nicht als „Gelehrte" gelten, weil ihre theologischen Werke nicht der scholastischen Deduktionsmethode entsprachen, sondern erfahrungsbasiert waren. Teresa von Avila hatte keinen Zugang zu etablierten Wissens-Institutionen und wurde deshalb zur „Mystikerin" erklärt. Doch gerade aus dieser Marginalisierung entstanden kreative Bewältigungsstrategien: Der innere Dialog mit Gott bot diesen Frauen einen Raum zur Artikulation ihrer Erfahrungen und zur Entwicklung von Resilienz. Nicht trotz, sondern gerade wegen ihrer Ausgrenzung konnten sie eine authentische, erfahrungsgesättigte Spiritualität entwickeln, die bis heute nachhall hat. Das Seminar interpretiert diesen inneren Dialog als Form moderner Resilienzbildung – nicht nur um Widriges zu ertragen, sondern um aus negativen Erfahrungen kreative Kraft zu schöpfen.