Im Interview zum Fest der Unschuldigen Kinder zieht Christiane Florin eine schonungslose Bilanz des kirchlichen Umgangs mit sexualisierter Gewalt. Die katholische Kirche sei ein „Verantwortungsverdunstungsbetrieb": Obwohl in einer Hierarchie eindeutig klar sein müsste, wer Verantwortung trägt, werde diese durch spirituelle Rhetorik, taktischen Umgang mit Wahrheit und fehlende Gewaltenteilung systematisch verschleiert. Politikwissenschaftlich ist die Kirche eine absolutistische Monarchie, in der Macht ohne Kontrolle ausgeübt werden kann – ein Strukturmerkmal, das nicht gewachsen, sondern im 19. Jahrhundert bewusst gewollt war. Als Ausweg plädiert Florin nicht für moralische Appelle, sondern für konsequente Recherche, verfassungsrechtliche Ansätze und ein Selbstverständnis der Gläubigen als mündige Bürgerinnen und Bürger. Die Kirchenmitgliedschaft sei angesichts all dessen zur Gewissensfrage geworden.