Die Jungwacht Blauring Schweiz (Jubla) ist mit 32.500 Mitgliedern der größte katholische Kinder- und Jugendverband des Landes. Eines ihrer fünf Leitbildprinzipien ist das „Mitbestimmen" – verstanden nicht nur als demokratische Verfahren, sondern als grundlegende Haltung, bei der alle Ideen respektvoll eingebracht und gemeinsam Entscheidungen getroffen werden. Dies ist im Selbstverständnis der Jubla fundamental verankert.
Dieser Ansatz steht in schärfstem Kontrast zur katholischen Kirche, die als absolutistische Monarchie strukturiert ist und kaum echte Partizipation kennt. Das Partizipationsdefizit führt dazu, dass sich junge Menschen von der Kirche nicht abgeholt fühlen und sie zunehmend irrelevant wird. Religionssoziologen sprechen von „Generationen abnehmenden Glaubens". Die Indifferenz junger Menschen gegenüber der Kirche ist nicht Ausdruck kultureller Verführung, sondern Resultat jahrzehntelanger institutioneller Reformunfähigkeit.
Der in der Kirche propagierte Begriff der Synodalität wird vom Autor kritisch als „Containerbegriff" hinterfragt, der theologisch diffus bleibt und außerkirchlich nicht kommunizierbar ist. Statt echter Beteiligungsmöglichkeiten wird ein abstrakter Fachdiskurs geführt. Die Jubla hingegen bietet konkrete Inspirationen: Partizipation muss habitualisiert werden, konsequent umgesetzt mit notwendigen Ressourcen, durch Selbstbindung der Verantwortlichen gewährleistet und durch wechselseitige Bottom-Up- und Top-Down-Prozesse getragen werden. Nur so wird Synodalität nicht zum Scheinprozess.