Der Synodale Weg der katholischen Kirche in Deutschland kam nach drei Jahren mit seiner 5. Vollversammlung im März 2023 zu Ende. Die 230 Synodal:innen verabschiedeten 15 Texte, darunter Grundtexte zu Macht und Gewaltenteilung, priesterlicher Existenz, Frauen in der Kirche sowie Handlungstexte mit konkreten Reformschritten. Die stärkste Zustimmung erhielten Texte zur Missbrauchsprävention, während eine theologische Grundlegung für die Neukonfiguration kirchlicher Machtverhältnisse und Geschlechtergerechtigkeit geschaffen wurde. Allerdings zeigen sich bei der praktischen Umsetzung erhebliche Bruchstellen: Die Bischöfe stimmten vielen Grundtexten zu, lehnten aber deren konkrete Handlungskonsequenzen ab oder kürzten deren innovatives Potenzial.
Das zentrale Problem liegt in der Diskrepanz zwischen Theorie und Praxis. Beim Thema Machtkontrolle beispielsweise signalisierten Bischöfe zwar theoretische Zustimmung, weigerten sich aber praktisch, ihre Letztentscheidungsgewalt zu begrenzen. Bei den Handlungstexten zu Frauenämtern und Laienpredigt stimmten sie nur unter der Bedingung zu, deren innovatives Potenzial zu streichen – obwohl sie dem entsprechenden Grundtext implizit zugestimmt hatten. Der Grundtext zur kirchlichen Sexualethik wurde gar nicht beschlossen, doch dessen Konsequenzen wurden angenommen. Diese Widersprüchlichkeiten werfen Fragen auf: Warum scheitert die Handlungsorientierung an theologischen Grundlagen? Bei der Zölibatusfrage handelte die Bischöfe aus Sorgepflicht für ihre Priester, bei der Frauenfrage aus erkannter theologischer Argumentationsnot – doch selbst hier blieben die Zusagen bescheiden. Die Artikel konstatiert: Der Synodale Weg habe Veränderungen ermöglicht, aber noch nicht umgesetzt.