Die erste Phase der europäischen Kontinentalsynode endete am 9. Februar 2023 in Prag mit der Aufgabe, Resonanzen auf die weltkirchliche Erhebungsphase zu sammeln und Prioritäten für die kommende Bischofssynode in Rom zu setzen. Delegationen aus 39 Bischofskonferenzen sowie 40 von der CCEE eingeladene Gäste diskutierten vier Tage lang über die Zukunft der europäischen Kirche, unterstützt durch Online-Delegierte in 12 virtuellen Gruppen. Der synodale Prozess etabliert eine neue kirchliche Kultur offener und kontroverser Debatte – ein historisch neuartiges Phänomen, das für viele Teilnehmer, besonders jene mit traditionell-hierarchischem Kirchenbild, irritierend und risikobehaftet wirkt. Während frühere Pontifikate solche öffentlichen Debatten vermieden oder sogar unterbanden, werden jetzt bewusst unterschiedliche Überzeugungen und Spannungen nebeneinander zugelassen.
Trotz Bekenntnisse zur Einheit und zum gemeinsamen synodalen Weg entstanden heterogene Erwartungen: Progressive Kirchen wie die deutsche und Schweizer hofften auf konkretere Ergebnisse zu strittigen Fragen, während konservativere Positionen (etwa aus Ungarn) eine Verwässerung der katholischen Identität befürchteten. Diese Spannungen sind schmerzhaft, doch gleichzeitig Ausdruck einer Kirche, die gemeinsam umkehren möchte. Reporterin Regina Polak betont, dass die spirituelle und kulturelle Vielfalt sowie das leidenschaftliche Engagement der Beteiligten eine große Ressource darstellen. Zentrale Themen wie Synodalität auf allen Ebenen, Ämter und Frauenrolle, Evangelisierung und LGBTIQ+-Inklusion bleiben mit ihren Spannungen im Endbericht offen benannt, um weitere Bearbeitung zu ermöglichen.