Der Artikel analysiert den Stand des Synodalen Prozesses in der Schweiz anhand von Rafael Lucianis Definition von Synodalität als konstitutiver Dimension kirchlichen Lebens, die nicht nur Mentalitäten, sondern auch Strukturen und Beziehungen auf allen Ebenen betreffen muss. Der Autor stellt fest, dass die nationale Phase der Befragung des „Volkes Gottes" eindeutige Ergebnisse gebracht hat: Eine große Mehrheit der Teilnehmenden spricht sich für Veränderungen auf theologischer, struktureller und kommunikativer Ebene aus und wünscht sich eine gleichwürdige Kirche mit synodalem Stil. Die Schweizer Bischofskonferenz hat diesen Wunsch erkannt und signalisiert die Absicht, den Prozess fortzusetzen. Allerdings warnt der Autor davor, die aktuelle Lage zu optimistisch zu bewerten.
Trotz positiver Entwicklungen wie neu geschaffener Gefäße und der Anerkennung von Expertise im „Volk Gottes" mahnt der Artikel an, dass echter synodale Entwicklung eine „Kultur des Streitens" voraussetzt – also die Fähigkeit, Meinungsdifferenzen konstruktiv auszutragen. Besonders problematisch erscheint dem Autor ein jüngster Neujahrsbrief von Bischöfen, der in „eher unsynodalem Tonfall" liturgische Regelungen bekräftigt und damit eher Blockade als Entwicklung signalisiert. Mit Hilfe des Konzepts der Pfadabhängigkeit analysiert der Autor, dass die Schweizer Kirche an einem kritischen Punkt steht: Die Entwicklungsrichtung sei noch offen, könne aber in einen suboptimalen Zustand münden, wenn nicht verbindliche und authentische Zeichen sowie echte Zugeständnisse folgen.