Der Artikel analysiert die im September 2022 in Ungarn beschlossene Novellierung des Abreibungsrechts, die einen Schwangerschaftsabbruch nur noch mit ärztlicher Bestätigung nach dem Hören der Embryoherztöne erlaubt. Dies wird als Teil eines supranationalen Radikalisierungstrends verstanden, der sich nach der Aufhebung von „Roe v. Wade" in den USA und verschärften Regelungen in Polen und Malta abzeichnet. Ungarn dient hier als Paradebeispiel propagandistischer Naturalisierung weiblicher Körperlichkeit.
Der Autor arbeitet drei Dimensionen dieser hegemonialen Aneignung heraus: Erstens wird durch den spezifischen Bezug auf „Frauen" eine biologistische Reduktion vollzogen, die Gebärfähigkeit als alleiniges Fundament von Mutterschaft etabliert und damit Nicht-Frauen aus dem Diskurs ausschließt. Zweitens wird Schwangerschaftsabbruch zur Frage weiblicher Moral erklärt und damit einem Strafdenken unterworfen, das psychologische Erpressung und staatliche Kontrolle instrumentalisiert. Die Entscheidung verliert ihren höchstpersönlichen Charakter und wird öffentlich gemacht.
Drittens wird durch die Formulierung der „Lebensfunktionen" jeder wissensphilosophische Diskurs über den Lebensbeginn erstickt und liberalen Aushandlungsprozessen der Raum entzogen. Der Artikel kritisiert zudem die rassistischen Implikationen einer solchen Geburtenpolitik sowie den fatalen Dualismus zwischen Menschen mit und ohne Gebärmutter, der auch Männer ihrer gleichberechtigten Kommunikationsebene beraubt. Abschließend wird aufgezeigt, wie misogyne Politik in modernen Kommunikationsmechanismen Anschluss findet und misogyn gefärbte Narrative als Schicksalsgemeinschaft inszeniert werden.